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Ludendorff

Die Schlacht bei Tannenberg 1914

Die Feldherren

General
Erich Ludendorff

Erich Ludendorffs militärische Laufbahn ist geprägt von einem ihn ständig begleitenden Minderwertigkeitskomplex. Er fühlte sich ständig benachteiligt und er wähnte seine Eingaben und Denkschriften an höhere Stellen aus persönlichen Gründen abgeblockt. Vielleicht unbewusst, versuchte er dies durch besonderen Eifer zu kompensieren. Er entwickelte sich mehr und mehr zum uneinsichtigen, sich ständig um Profil bemühenden Rechthaber.
Jedenfalls hatten seine Mitarbeiter und Untergebenen in den verschiedenen Dienststellen den Eindruck, dass er ständig anwesend ist. Man fragte sich, wann er eigentlich mal schläft.
Er pflegte keine Freundschaften. Außer zu Veranstaltungen, an denen er zur Teilnahme verpflichtet war oder seine Anwesenheit erwartet wurde, ging er nicht aus.
Schon sehr früh, bereits in der Kadettenanstalt, fühlte er sich gegenüber seinen adligen Mitschülern zurückgesetzt. Besondere Ehrentitel, wie "Leibpage des Königs, der Königin, des Kronprinzen" etc., wurden natürlich nur Söhnen des alten Adels verliehen. Als "bürgerlicher" hatte er hier keine Chance. Es gab wohl in den Aufnahmekriterien der Kadettenanstalten und des ganzen Offizierskorps eine Quote, nach der man nicht-adlige Bewerber und auch Söhne aus jüdischen Familien aufzunehmen hatte.
Es lag in der Natur der Sache, dass der vom alten Adel dominierte Offizierskorps auf diese Minderheit herab blickte. Sie waren geduldet. Durch seinen daraus resultierenden, übertriebenen Eifer eckte er aber immer wieder bei seinen Vorgesetzten an.

Er war allerdings ein guter Schüler. Bei Prüfungen hatte er keine Probleme.
Schon als junger Seconde-Leutnant, an seiner ersten Dienststelle nach der Kadettenanstalt (8. Westfälisches Infanterieregiment Nr. 57 in Wesel) kommandierte man ihn nach fünf Jahren nach Berlin in die Militärturnanstalt (Sportschule). Übrigens unterhielt diese militärische Institution die erste Sporthalle in Berlin.
Obwohl das Kommando mit einem beträchtlichem Geldzuschuss versehen war, wollte natürlich niemand dort hin. Karriere konnte man da nicht machen. Wen schickt man also dort hin? Natürlich einen von den nicht-adligen; einen, den man sowieso los haben wollte. Einem Sohn aus altem ehrwürdigem Adelshaus, wo vielleicht schon der Urgroßvater Oberst beim Alten Fritz war, konnte man doch nicht die Karriere verbauen.
Nach diesem halbjährigen Kommando kam er nicht etwa wieder zurück nach Wesel zu seinem Regiment, nein, es erfolgte ganz überraschend die Versetzung nach Wilhelmshaven zum Seebataillon (Truppen für den Einsatz in den Kolonien, später Marine-Infanterie). Auch hier wollte keiner hin. Beim Heer wurde diese Waffengattung nicht als vollwertig angesehen und von seitens der elitär eingestellten Marine war auch kein Respekt zu erwarten. Man versüßte ihm die zu erwartende Enttäuschung mit der Zurückdatierung seines Offizierspatents um 12 Monate. Er übersprang somit ein volles Dienstjahr, was auch finanzielle Vorteile brachte.
Nach erfolgreicher Absolvierung des Generalstabslehrganges und nach der für viele unerwarteten Versetzung in den Generalstab des Feldheeres schaffte er es immer wieder, Abschiebungsversuche zu umgehen und dorthin zurückzukehren.
Später sah er jede Abkommandierung oder Versetzung aus dem Generalstab, auch wenn dies laufbahnmäßig so üblich war, als Versuch, ihn abzuschieben.

"Die Disziplin ist das Fundament der Armee, sie ist gegen das aufstrebende Talent".(Solschenizyn)