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Hauptmann
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Major
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Generalleutnant

Hindenburg

Offizierslaufbahn in der Friedenszeit

In der Kriegsakademie
Nach dem Ende des Krieges kam Leutnant von Hindenburg zunächst in seine alte Garnison nach Hannover. Des Dienstes "ewig gleichgestellte Uhr" befriedigt den jungen Offizier auf die Dauer nicht. Sicher, die Armee, die den neuen Staat geschaffen hat, genießt eine ehrenvolle Stellung im öffentlichen Leben der Zeit und ein Leutnant mit Kriegsauszeichnungen zu sein, bedeutet überall offene Türen zu finden. Aber der ernste junge Mann denkt anders. Zu dem Bibelwort "Ora et labora" (Bete und arbeite) hat er noch einen weiteren Wahlspruch: "Erst die Pflichten, dann die Rechte".
Und so bemüht er sich um einen größeren Aufgabenkreis, als ihn die Rekrutenausbildung bietet. Das hohe Ziel jedes strebsamen Offiziers jener Zeit ist die Aufnahme in die "Kriegsakademie", die Vorbereitung für den Dienst im Generalstab.

Da muss zunächst eine Aufnahmeprüfung bestanden werden, für die hohe Anforderungen gestellt sind. Nachdem er sie bestanden hat, wird Hindenburg - inzwischen zum Oberleutnant befördert - im Jahre 1875 auf drei Jahre nach Berlin kommandiert, um an der traditionsreichen Hochschule in die höhere Kriegswissenschaft eingeführt zu werden.
Die dreijährige Kriegsakademie war in drei Lehrstufen unterteilt, in denen Fächer wie Taktik, Waffenlehre, Befestigungslehre, Verkehrsmittel, Militärrecht, Gesundheitspflege, Generalstabsdienst, Festungskrieg, Staatsverwaltung sowie neben Französisch und Russisch auch Chemie und Physik gelehrt wurden. Ein umfassendes und kritisches Studium von Gesellschaft und Wirtschaft, Innen- und Außenpolitik bezog die damalige Kriegsakademie nicht mit ein. Dem "Offizier des Königs" wurde so etwa das Wesen des Verfassungsstaates, einer pluralistischen Gesellschaft, nicht nahegebracht. Die Ausbildung unterschied sich daher durchaus von jener des englischen "Imperial Defense College" oder des französischen "Centre des Hautes Etudes Militaires"

Zunächst war Hindenburg enttäuscht, statt mit Kriegsgeschichte und neuzeitlicher Gefechtslehre quälte man die jungen Offiziere, die vor wenigen Jahren siegreich aus dem Kriege heimgekehrt waren, mit der Geschichte der alten Kriegskunst und anderen, wie er meinte, leicht angestaubten und nie in die Wirklichkeit umzusetzenden Betrachtungen. Außerdem graulte er sich vor dem Studium der Mathematik, das jeder betreiben musste. Zu den unbeliebten Fächern gehörte auch die Lehre vom Befestigungswesen. Der mit diesem Lehrfach befasste Professor Dr. Pochhammer erzählte, wie der junge Hindenburg sobald die Vorlesung ihn nicht mehr fesselte, demonstrativ irgendein Blatt der Generalstabskarte vor sich ausbreitete, um sich mit Dingen zu beschäftigen, die wichtiger zu sein schienen, und das waren für ihn Fragen der Taktik und der Truppenführung; mit dem Zirkel in der Hand stellt er sich selbst Aufgaben, rechnet Marschtiefen und Gefechtsstreifen aus.
Erst während der letzten beiden Jahre auf der Akademie fühlt er sich zufriedener; nun wurden die damals modernen Waffengattungen und jene Fächer behandelt, die ihn ansprachen, weil sie Gegenwartsbedeutung hatten.
Neben dem Studium nahmen die Offiziere teil am gesellschaftlichen Leben der jungen Reichshauptstadt. Hindenburg gehörte zum Kreis des Prinzen Alexander von Preußen und kam dadurch nicht nur mit hohen Militärs, sondern auch mit Männern der Wissenschaft und des Staatsdienstes in persönliche Berührung. Als das Studium zu Ende war, konnte sich Hindenburg über ein "sehr gut" freuen. In der geheimen Beurteilung war zu lesen:
"Ein selbständiger schneidiger Charakter von großer Befähigung und sicherem militärischen Blick. Wird überall Vortreffliches leisten und eignet sich vorzugsweise für eine Kommandierung zum Generalstab."

Im Generalstab
Nach der Kriegsakademie kehrte er zunächst zu seinem alten Regiment nach Hannover zurück, um im Frühjahr 1877 zum "Großen Generalstab" kommandiert zu werden. Der Generalstab, von einem unerhörten Nimbus umgeben, galt als Voraussetzung für eine erfolgreiche Offizierskarriere. Hindenburg wurde zum Generalkommando des II. Armeekorps in Stettin beordert. Dort lernte er Gertrud Wilhelmine von Sperling kennen, die er am 24. September 1879 auch heiratete. Erst die Ernennung zum Hauptmann ein Jahr zuvor hatte eine Hochzeit finanziell möglich gemacht. Die allgemein als temperamentvoll und lebhaft geschilderte, am 4. Dezember 1860 in Magdeburg geborene Gertrud war ebenfalls ein "Soldatenkind" (Tochter eines Generals), wie Hindenburg in seinen Erinnerungen stolz vermerkt. "Die liebende Gattin", so ihre Charakterisierung, war ganz offensichtlich eine Frau mit Esprit. Sie, die ihrem Mann "bester Freund und Kamerad" wurde, schenkte ihm schließlich einen Sohn und zwei Töchter: Am 14. November 1880 die nach seiner verstorbenen Jugendliebe benannte Irmengard Pauline, am 31. Januar 1883, nach der Totgeburt eines Sohnes, Stammhalter Oskar Wilhelm und zuletzt, am 29. November 1891, Annemarie.

1881 kam er zur 1. Division nach Königsberg unter dem späteren preußischen Kriegsminister Generalleutnant Julius von Verdy du Vernois. In seiner Heimatprovinz konnte sich der Generalstabsoffizier selbständiger entwickeln und wieder engeren Kontakt zur Truppe aufbauen.
Die nächste Station seiner Soldatenlaufbahn wurde von dem Grundsatz vorgeschrieben, dass ein Stabsoffizier nie die Verbindung zur Truppe verlieren dürfe; also musste er die Führung einer Kompanie übernehmen und hier galt wiederum das Prinzip, dass Generalstäbler besonders "schwierige" Einheiten zur Führung erhielten. Die Schwierigkeit lag im Posenschen Landstädtchen Fraustadt, wohin sich Hindenburg im April 1884 versetzt sah, vor allem darin, dass die wenigsten seiner Rekruten die deutsche Sprache beherrschten. Es waren fast durchweg junge Polen, die überdies alkoholischen Getränken nicht abgeneigt waren. Der Herr Hauptmann hatte freilich aus der Kinderzeit - schon der Vater war ja Kompaniechef in Pinne gewesen - einige Sprachbrocken bereit. Er bemühte sich nicht nur ein strenger, sondern auch ein gerechter "Vater der Kompanie" zu sein und so endete die ganze Fraustadter "Schwierigkeit" schließlich in allseitigem Trennungsschmerz.
Schon nach 15 Monaten wurde Hauptmann Hindenburg wiederum versetzt, und zwar aus diesen kleinsten Verhältnissen in die denkbar bedeutendsten: Direkt zum Großen Generalstab nach Berlin, unmittelbar unter die Augen des alten Moltke.

Im selben Jahr (1885) wurde er zum Major befördert. Er erlebte in Berlin noch die letzten Jahre der unmittelbaren Einwirkung des alten Moltke. Dieser hatte zwar längst seinen Abschied erbeten, aber Wilhelm I. gab diesen Gesuchen kein Gehör. Erst im sogenannten "Drei-Kaiser-Jahr" 1888, als Kaiser Wilhelm I. starb und nach kurzer Regierungszeit seines Sohnes Friedrich, der nach 99 Tagen ebenfalls verstarb, der Enkel Wilhelm II. mit 29 Jahren den Thron bestieg, erhielt der 90-jährige Feldmarschall die Bewilligung, sich zurückzuziehen. Er verstarb im Jahre 1891.
Obwohl der 37jährige Hindenburg im Großen Generalstab zunächst natürlich nur die Stellung eines "jüngeren" Offiziers hatte, war er dem Feldmarschall Moltke doch aufgefallen. "Hindenburg hat so kolossales Selbstvertrauen, dass er seinen Willen absolut nicht unter den eines anderen beugen will und nur das tut, was er selbst will. Ich für meinen Teil habe herausgefunden, dass alles, was Hindenburg in die Hände nimmt, ausgezeichnet verläuft, und infolgedessen lasse ich ihm seinen Willen. Ob aber mein Nachfolger dieselben Rücksichten nehmen wird, ist nicht sicher." sagte er einmal zum schwedischen Militärattaché auf einem Empfang, als diesem der großgewachsene Hindenburg auffiel.
Neben seinem Dienst im Generalstab hielt Hindenburg an der Kriegsakademie Vorlesungen in Taktik. "Unter diesen Verhältnissen erschien der Tag mit 24 Stunden oftmals zu kurz. Durchgearbeitete Nächte wurden zur Gewohnheit."
Hindenburgs unmittelbarer Vorgesetzter war der damalige Oberst Graf Schlieffen - später als der Generalstabschef des "Westaufmarsches" und des "Schlieffen-Planes" in die Geschichte eingegangen. Zu den Gepflogenheiten des Großen Generalstabes gehörten geheime dienstliche Beurteilungen der Untergebenen. Erst vor einigen Jahren ist aus den Archiven veröffentlicht worden, was Graf Schlieffen in seiner Beurteilungbeurteilung_hi
"Major v. Hindenburg ist ein vortrefflicher Generalstabsoffizier, der sich durch lebhaftes Interesse für den Dienst, rege Tätigkeit und fürdernde Einwirkung auf junge Offiziere in vorteilhaftester Weise bemerkbar macht. Er ist von ernstem und energischem Charakter, scharfem Verstande und schneller Auffassung. Seine Formen sind durchaus angemessen."
Noch bedeutsamer, ja geradezu verblüffend war der Zusatz, den Generalquartiermeister Graf Waldersee -im Jahre 1888 Nachfolger Moltkes als Chef des Generalstabes- dieser Beurteilung hinzufügte:
Einverstanden. Major von Hindenburg ist ein hervorragend tüchtiger Generalstabsoffizier und eignet sich schon jetzt zum Chef des Generalstabes."
Und der wortkarge Moltke setzte ein "Einverstanden" darunter. Das bedeutete schon etwas im Hause des Großen Generalstabes.

Im Kriegsministerium
Moltke hatte recht gehabt, als er über Hindenburg äußerte: "Ich lasse ihm seinen Willen ... ob aber mein Nachfolger dieselben Rücksichten nehmen wird...?"
In der Tat wurde Hindenburg kurz nachdem der alte Moltke sich zurückgezogen hatte, aus dem Großen Generalstab in das Kriegsministerium versetzt, um dort eine Abteilung zu übernehmen. Bei dieser Berufung wirkten sich indirekt die großen Veränderungen des Jahres 1888 aus: Der "junge Herr", so wurde damals der 29-jährige Wilhelm II. genannt, besetzte nicht nur den Generalstab, sondern auch das Kriegsministerium mit neuen Männern. Kriegsminister wurde General Verdy du Vernois, einige Jahre vorher noch Hindenburgs Divisionskommandeur in Königsberg, der sich jetzt seinen damaligen Generalstabsoffizier in die Wilhelmstraße holte.
Für den Major bedeutete die Ernennung zum Abteilungsleiter eine ungewöhnliche Auszeichnung, aber die mit der neuen Stellung verbundene Büro- und Gutachtertätigkeit anstelle der weiter ausgreifenden Entschlussfreiheit soldatischer Führungsaufgaben behagte ihm nicht allzu sehr. Er fand zwar in der Ausarbeitung einer neuen Feldpionier - Vorschrift ein wichtiges Arbeitsgebiet; auch mit dem Einsatz der schweren Artillerie in der Feldschlacht hatte er sich zu beschäftigen. Beide Vorschriften galten dann noch bis in den Weltkrieg hinein. Aber die "Umständlichkeit des Geschäftsbetriebes und des Formelwesens" entsprach so wenig seiner Neigung, dass er erleichtert war, als er nach vier Jahren (1892) aus seinem "bürokratischen Joch" befreit und zum Kommandeur des Infanterieregiments 91 in Oldenburg ernannt wurde.

Regimentskommandeur
"Die Stellung eines Regimentskommandeurs ist die schönste in der Armee", schreibt er in seinen Lebenserinnerungen. "Der Kommandeur drückt dem Regiment, dem Träger der Tradition im Heere, seinen Stempel auf. Erziehung des Offizierskorps nicht nur in dienstlicher sondern auch in geselliger Beziehung, Leitung und Überwachung der Ausbildung der Truppe sind seine wichtigsten Aufgaben. Ich bemühte mich, im Offizierskorps ritterlichen Sinn, in meinen Bataillonen Kriegsmäßigkeit und straffe Disziplin, überall aber auch neben strenger Dienstauffassung Dienstfreudigkeit und Selbständigkeit zu pflegen."
Im März 1894 zum Oberst befördert, führte er das Regiment bis 1896, als er zum Generalmajor befördert und als Chef des Generalstabes des VIII. Armeekorps nach Koblenz versetzt wurde.
Vorher hatte er sich von seinem Regiment verabschiedet - mit einer Ansprache, in der sich der "Geist der Zeit" ebenso spiegelte wie Hindenburgs väterliche Art als Truppenführer:
"Musketiere! Ich bin hier erschienen, um euch Lebewohl zu sagen. Ich werde mich stets mit Freude und Stolz an die schöne Zeit erinnern, in der ich die Ehre hatte, an der Spitze des Regiments zu stehen, denn ihr habt mit wenigen Ausnahmen bewiesen, dass ihr brave, ehrliebende Soldaten seid. Diesen Geist der Treue, des Gehorsams, den nehmt mit in die Heimat, dann wird es jedem einzelnen von euch gut gehen. Dies wünscht euer alter Kommandeur."

Divisionskommandeur
Aus dem "alten Kommandeur" war nun ein junger General geworden: Da sein vorgesetzter Kommandierender General der damalige Erbgroßherzog von Baden war und dieser bald darauf die Thronfolge in Karlsruhe antrat, wurden einige Jahre der militärischen Laufbahn Hindenburgs höfisch beeinflusst. Die persönlichen Beziehungen zum großherzoglich - badischen Hof, die sich auch auf Frau von Hindenburg ausdehnten, waren so freundschaftlich, dass Hindenburg schon im Sommer 1900 auf Wunsch des Großherzogs zum Kommandeur der in Karlsruhe stationierten 28. Division ernannt wurde. Gleichzeitig erfolgte seine Beförderung zum Generalleutnant, ein Dienstgrad, der zur damaligen Zeit mit der Anrede "Exzellenz" verbunden war.
Der alte Vater, der als pensionierter Hauptmann seit vier Jahrzehnten das Familiengut in Neudeck bewirtschaftete, hat diesen Aufstieg seines Ältesten noch mit Stolz erlebt; er starb 86-jährig im Jahr 1902. Hindenburgs Mutter war dem Vater schon 1893 im Tode vorausgegangen.
Sein "Avancement" war freilich noch nicht abgeschlossen.

Kommandierender General
Am 27. Januar 1903, dem Geburtstag des Kaisers, erhielt Hindenburg die Ernennung zum Kommandierenden General des IV. Armeekorps in Magdeburg, einem der wichtigsten Posten im preußischen Heer. Die Stellung eines Kommandierenden Generals galt im wilhelminischen Reich dem Range eines Ministers gleich; sie war auch von großer militärischer Bedeutung. Der "Kommandierende" war die Schlüsselfigur und die entscheidende Instanz für einen beträchtlichen Teil der Armee und insbesondere für die Auswahl und Ausbildung des Offiziersnachwuchses.
Bei den Besichtigungen interessierte sich der "Kommandierende" vor allem für das Verhältnis zwischen Mannschaften und Offizieren. Nur wenn der Offizier sich mit jedem seiner Soldaten beschäftige, könne das Vertrauen zueinander entstehen, das die Armee trage, so meinte Hindenburg. Der Geist des Heeres sei wichtiger als die technischen Voraussetzungen. Erst wenn der Soldat sage "ich will" anstatt "ich muss", habe die Armee ihre volle Durchschlagskraft. Die Bildung willensstarker Persönlichkeiten sah Hindenburg als Notwendigkeit an:
"Die herzhafte Tat hat den Vorrang vor den Künsteleien des Verstandes ... Geistesgegenwart und Charakterfestigkeit bleiben höher im kriegerischen Kurs als Feinheiten der Gedankenschulung. Über der Vervollkommnung der Vernichtungswaffen hat der Krieg seine einfachen, ich möchte sagen, groben Formen nicht verloren. Er verträgt keine Verbildung der menschlichen Natur, keine Überfeinerung der kriegerischen Erziehung. Was er auch weiterhin vor allem anderen fordert, das ist die Bildung des Menschen zur willensstarken Persönlichkeit."
Freilich vergaß Hindenburg auch als "Seine Exzellenz der Herr Kommandierende General" nicht die gemütvolleren Seiten des Lebens. Auf dienstlich anstrengende Tage ließ er gern einen fröhlichen Abend im Kreise der Offiziere folgen. Als er einmal ein Regiment gründlich besichtigt hatte und am nächsten Vormittag abreiste, sagte er zu dem Regimentskommandeur: "Es war alles recht schön bei Ihnen, nur die Leutnants hätten lustiger sein können."
In solchem Geiste der Pflichterfüllung, aber auch der Lebensfreude führte Hindenburg acht Jahre sein Korps. Als man im Jahre 1909 nochmals wegen einer größeren Aufgabe vorfühlte: Ob er das Amt des preußischen Kriegsministers übernehmen wolle, lehnte er fast entsetzt ab. "Ich habe keine Lust mich mit dem Abgeordnetenhaus herumzuschlagen" antwortete er. Er war lieber fern vom hauptstädtischen Getriebe der schlichte General. Als er einmal in einem thüringischen Gasthof übernachtete, schrieb er in den polizeilichen Meldebogen nur: von Hindenburg, Offizier. Nichts von der Aufgeblasenheit der Zeit, einfach, klar und sachlich blieb er auch in einer allzu selbstsicheren Epoche.

Abschied
Die Gründe, die Hindenburg im Jahre 1911 veranlassten, als 64-jähriger seinen Abschied einzureichen, sind nie ganz geklärt worden. Paul Lindenberg, sein Biograph aus dem Jahre 1920, schreibt darüber, offenkundig nach Rücksprache mit dem Feldmarschall:
"Warum der noch so Rüstige und Umsichtige den Dienst verließ, ist hier zu erörtern nicht der Platz. Jedenfalls ist jenes viel erzählte Gerücht falsch, dass eine Spannung zwischen dem Kaiser und Hindenburg eingetreten wäre, weil letzterer in einem Kaisermanöver seinen obersten Kriegsherrn "gefangengenommen" hätte; Hindenburg hat nur ein Kaisermanöver geleitet, jenes zu Anfang erwähnte."
Hindenburg selbst schreibt in seinen Erinnerungen in lapidarer Kürze:
"Immer mehr reifte allmählich in mir der Entschluss, aus der Armee auszuscheiden. Ich hatte in meiner militärischen Laufbahn viel mehr erreicht, als ich je zu hoffen wagte. Krieg stand nicht in Aussicht, und so erkannte ich es für meine Pflicht an, jüngeren Kräften den Weg nach vorwärts freizumachen, und erbat im Jahre 1911 meinen Abschied."
Als Wohnort wählte Hindenburg Hannover. Zusammen mit seiner Frau und der jüngsten Tochter mietete er eine bescheidene Wohnung. Die älteste hatte wenige Jahre vorher geheiratet, der Sohn war inzwischen Leutnant in Berlin. Und nun setzte er einen lange gehegten Wunsch in die Tat um: Er reiste mit seiner Gattin durch Italien und war tief beeindruckt von den Bauwerken des alten Rom. Nach Hannover zurückgekehrt, widmete er sich geschichtlichen Studien, verfolgte die neu erscheinenden Werke der Strategie und Taktik, besuchte hin und wieder einen Herrenclub und war letzten Endes doch unzufrieden, dass er, der sich so gesund und rüstig fühlte, nun zum alten Eisen zählen sollte.