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1871

Leutnant Paul von Hindenburg

Im deutsch-französischen Krieg 1870/71

St.Privat
Die seit Jahren angewachsene Konkurrenz zwischen Paris und Berlin um die Hegemonie in Europa eskalierte am 19. Juli 1870 zum Krieg.
Nun rief ihn sein König erneut zu den Waffen. Er rückte als Adjutant des 1. Bataillons (Major von Seegenberg) ins Feld. Zunächst war er maßlos enttäuscht, weil sein gesamtes Garde - Korps, nach wochenlangen Märschen, nicht an den Feind kam. Erst als man die Mosel oberhalb Pont à Mousson überschritten hatte, riefen sie die Ereignisse westlich Metz am 17. August 1870 in die dortige Gegend. Am Abend traf das Korps auf dem Schlachtfeld von Vionville ein. Am nächsten Tag marschierten sie bei Hannonville westlich Mars-la-Tour und erreichten gegen Mittag Doncourt.
Lassen wir ihn selbst erzählen:
"Der bis dahin verhältnismäßig kurze Marsch war sehr anstrengend. Ausgeführt in dichten Massenformationen, unter störender Kreuzung mit dem sächsischen (XII.) Korps, in glühender Hitze, in dichten Staubwolken, ohne genügende Wasserversorgung seit dem Tag zuvor. Ich selbst hatte auf dem Marsch das Grab eines bei den 2. Gardedragonern gefallenen Cousins auf dem Friedhof von Mars-la-Tour besucht und dann Gelegenheit gehabt, über das Angriffsfeld der 38. Infanteriebrigade und des 1.Garde - Dragonerregiments zu reiten. Reihen, ja stellenweise ganze Haufen von Gefallenen, Preußen wie Franzosen, im Bereich einer Schlucht, bewiesen, welsch ein mörderischer Kampf hier stattgefunden hatte.
Bei Doncourt machten wir halt. Gerüchte verbreiteten sich, dass Marschall Bazaine mit seinen Truppen abmarschiert und damit entkommen sei. Die Begeisterung vom Vormittag war abgeflaut.
Plötzlich beginnt in östlicher Richtung eine gewaltige Kanonade. Das IX. Korps ist auf den Feind gestoßen. Der Gefechtlärm belebt auch hier alles. Die Nerven beginnen sich neu zu spannen, das Herz wieder stärker und freudiger zu schlagen. Der Weitermarsch in nördliche Richtung wird angetreten. Der Eindruck, dass es sich heute um eine gewaltige Schlacht handle, verstärkt sich von Minute zu Minute. Wir marschieren auf und erhalten in der Nähe von Batilly den Befehl, die Fahnen zu enthüllen. Es geschieht unter dreifachem Hurra. Ein ergreifender Augenblick.
Fast gleichzeitig galoppieren Gardebatterien an uns vorbei nach Osten vor, heran an die gegnerischen Stellungen. Immer mächtiger entwickelt sich das Schlachtenbild. Über den Höhen von Amanvillers bis halbwegs gegen St.Privat erheben sich dichte, schwere Wolken von Pulverdampf. In mehreren Linien steht dort oben feindliche Infanterie und Artillerie. Ihr Feuer ist vorläufig mit ganzer Wucht gegen das IX. Korps gerichtet. Dies wird anscheinend auf seinem linken Flügel vom Gegner überragt. Einzelheiten sind nicht zu erkennen.
Um einen frontalen Angriff gegen die feindliche Stellung zu vermeiden, wenden wir uns in einem Geländeeinschnitt, der etwa 5 km parallel zur feindlichen Front verläuft, nach Norden auf Ste. Marie aux Chênes. Das Dorf wird von der Avantgarde unserer Division und Teilen des links von uns auf Auboué marschierenden XII. Korps angegriffen und besetzt. Nach der Einnahme von Ste. Marie marschiert unsere Brigade dicht südlich des Dorfes, mit der Front nach diesem, auf. Wir ruhen. Freilich eine eigenartige Ruhe. Verirrte Kugeln aus St. Privat vorgeschobener feindlicher Schützen schlagen ab und zu in unsere dicht geschlossenen Formationen ein. Leutnant von Feldhoff, vom 1. Garderegiment, wird in meiner Nähe erschossen. Sein Vater, Bataillonskommandeur im gleichen Regiment, war 1866 bei Königgrätz in Rosberitz auch unweit von mir gefallen. Mehrere Leute werden verwundet.
Ich betrachte mir die Lage. In östlicher Richtung, fast in der rechten Flanke unserer jetzigen Front, liegt auf einer allmählich ansteigenden Höhe St. Privat, mit dem etwa 2 km entfernten Ste. Marie aux Chênes durch eine gradlinige, mit Pappeln bestandene Chaussee verbunden. Das Gelände nördlich dieser Straße ist durch die Baumreihen größtenteils der Sicht entzogen, macht aber den gleichen deckungslosen Eindruck, wie das Feld südlich der Chaussee. Auf den Höhen selbst herrscht eine fast unheimliche Stille. Unwillkürlich strengt sich das Auge an, dort vermutete Geheimnisse zu entdecken. Ihnen durch Aufklärung den Schleier zu nehmen, scheint man auf unserer Seite nicht für nötig zu halten. So bleiben wir denn ruhig liegen.
Gegen halb sechs Uhr am Abend trifft unsere Brigade der Angriffsbefehl. Wir sollen hart östlich Ste. Marie vorbei in nördlicher Richtung antreten und dann jenseits der Chaussee gegen St. Privat zum Angriff einschwenken. Das Bedenken, dass diese künstliche Bewegung von St. Privat her in der rechten Flanke gefasst würde, drängt sich sofort auf.
Kurz bevor sich unsere Bataillone erheben, wird das Gelände um St. Privat lebendig und hüllt sich in den Qualm feuernder französischer Linien. Die nicht zu unserer Division gehörende 4. Gardebrigade geht nämlich bereits südlich der Chaussee vor. Gegen sie wendet sich daher vorläufig die ganze Kraft der gegnerischen Wirkung. Diese Truppe würde in kürzester Zeit zur Schlacke ausbrennen, wenn wir, die 1. Gardebrigade, nicht baldmöglich nördlich der Chaussee angreifen und dadurch Entlastung schaffen. Freilich, dort hinüber zu kommen, erscheint fast unmöglich. Mein Kommandeur reitet mit mir vor, um das Gelände einzusehen und dem Bataillon im Rahmen der Brigade die Marschrichtung anzugeben. Ein ununterbrochener Feuerorkan fegt jetzt auch gegen uns über das ganze Feld. Doch wir müssen versuchen, die eingeleitete Bewegung durchzuführen. Es gelingt uns auch, die Straße zu überqueren. Jenseits dieser nehmen die sich dicht drängenden Kolonnen Front gegen die feindlichen Feuerlinien und stürzen, sich auseinander ziehend, vorwärts gegen St. Privat. Alles strebt danach, so nahe als möglich an den Gegner heranzukommen, um die dem Chassepot gegenüber unterlegenen Gewehre gebrauchen zu können. (Das französische Chassepot - Gewehr hatte eine höhere Reichweite als das preußische. So mussten die Truppen durch das französische Gewehrfeuer hindurch, um auf Schussweite heranzukommen.) Der Vorgang wirkt ebenso erschütternd wie imponierend. Hinter den wie gegen ein Hagelwetter vorstürmenden Massen bedeckt sich das Gelände mit Toten und Verwundeten, aber die brave Truppe drängt unaufhaltsam vorwärts. Immer und immer wieder wird sie von ihren Offizieren und Unteroffizieren, die bald von den tüchtigsten Grenadieren und Füsilieren ersetzt werden müssen, auf- und vor gerissen. Ich sehe im Vorbeireiten, wie der Kommandierende General des Gardekorps, Prinz August von Württemberg, zu Pferde am Ortsausgang von Ste. Marie haltend, die gewaltige Krisis verfolgt, in die sich seine herrlichen Regimenter hineinstürzen, um darin vielleicht zugrunde zu gehen. Ihm gegenüber soll der Marschall Canrobert am Eingang von St.Privat gestanden haben.
Um sein Bataillon aus der Anstauung der Massen nordöstlich Ste.Marie herauszubringen und ihm die für den Kampf notwendige Armfreiheit zu schaffen, lässt mein Kommandeur dasselbe nicht gleich die Front auf St.Privat nehmen, sondern setzt mit ihm zunächst in einer Falte des Geländes die bisherige nördliche Bewegung fort. So schieben wir uns in leidlicher Deckung so weit seitlich heraus, dass wir nach dem Einschwenken den linken Flügel der Brigade Bilden. In diesem Verhältnis gelangen wir unter zunehmenden Verlusten in die Gegend halbwegs Ste. Marie - Roncourt. Bevor wir uns von hier zu einer Umfassung von St.Privat anschicken können, müssen wir bei Roncourt, das die Sachsen von Auboué aus noch nicht erreicht zu haben scheinen, klar sehen. Ich reite hin, finde das Dorf von Freund und Feind unbesetzt, bemerke aber in den Steinbrüchen östlich des Dorfes französische Infanterie. Es gelingt mir, noch rechtzeitig zwei Kompanien meines Bataillons nach Roncourt zu führen. Bald darauf unternimmt der Gegner einen Angriff aus den Steinbrüchen, welcher abgewiesen wird. Nunmehr können sich die beiden anderen Kompanien ohne Besorgnis für Flanke und Rücken gegen den Nordeingang von St.Privat wenden, um den schweren frontalen Kampf der übrigen Teile der Brigade wenigstens eine geringe Entlastung zu bringen. Später, nachdem Roncourt von Teilen des XII. Korps besetzt worden ist, ziehen sich auch unsere beiden dort verwendeten Kompanien heran.
In der Front nimmt unterdessen das blutige Ringen seinen Fortgang. Von feindlicher Seite aus ein ununterbrochen rollendes Infanteriefeuer aus mehreren Linien, das alles Leben auf dem weiten, deckungslosen Angriffsfeld niederzudrücken versucht. Auf unserer Seite eine lückenreiche Linie loser Truppentrümmer, die sich aber nicht nur am Boden festkrallen, sondern wie in krampfhaften Zuckungen sich immer wieder auf den Gegner zu stürzen versuchen. Mit verhaltenem Atem sehe ich auf diese Schlachtszenen, auf das äußerste gespannt, ob nicht ein feindlicher Gegenstoß unsere Truppen wieder zurückschleudern würde. Doch die Franzosen bleiben bis auf einen nicht über das erste Anreiten hinauskommenden Versuch, mit Kavallerie nördlich um St.Privat herum vorzubreschen, starr in ihren Stellungen. Eine Atempause im Infanteriekampf tritt ein. Beide Teile sind erschöpft und liegen sich, nur wenig feuernd, gegenüber. Die Waffenruhe auf dem Schlachtfeld ist so ausgesprochen, dass ich vom linken Flügel bis fast zur Mitte der Brigade und zurück in der Feuerlinie entlang reite, ohne das Gefühl einer Gefahr zu haben.
Aber dann beginnt die Zermürbungsarbeit unserer vorgezogenen Artillerie, und bald schieben sich außerdem die frischen Kräfte der 2. Gardebrigade von Ste.Marie her in die im Verbluten begriffenen Reste der 4. und 1. ein, während von Nordwesten auch sächsische Hilfe naht. Der Druck, der auf der schwer ringenden Infanterie lag, wird fühlbar leichter. Wo eine Zeitlang nur Tod und Verderben zu sein schien, rührt sich neues Kampfesleben, zeigt sich neuer Kampfeswille, der schließlich im Sturm auf den Feind seinen heldenhaften Abschluss findet. Es ist ein unbeschreiblich ergreifender Anblick, als sich bei sinkender Abendsonne unsere vordersten Kampfeslinien zum letzten Vorbrechen erheben. Kein Befehl treibt sie an, das gleiche seelische Empfinden, der eherne Entschluss zum Erfolg, ein heiliger Kampfesgrimm drängt sich nach vorwärts. Dieser unwiderstehliche Zug reißt alle mit sich fort. Das Bollwerk des Gegners stürzt bei Einbruch der Dunkelheit. Ein ungeheurer Jubel bemächtigt sich unser."

Das 3. Garderegiment hatte einen Verlust von 36 Offizieren und 1060 Unteroffizieren und Mannschaften. Davon tot: 17 Offiziere und 304 Mann.
Am 19. August begruben sie ihre Toten und am 20. Nachmittags gab der Divisionskommandeur Gen.Lt. von Pape den Befehl, nach Westen abzurücken. Sein Bataillonskommandeur, Major von Seegenberg, übernahm als einziger unverwundeter Stabsoffizier die Führung des 3.Regiments. Leutnant von Hindenburg blieb auch in der neuen Stellung sein Adjutant.
Der Verlauf der weiteren Operationen, die bei Sedan ihren Abschluss fanden, brachten für ihn wenig Bemerkenswertes. Das Vorspiel, die Schlacht bei Beaumont (30. August), erlebte sein Regiment in Reserve stehend. Das Gardekorps bildete den nördlichsten Teil des Rings, der sich im Laufe des Tages um die Armee MacMahons schloss. Die 1. Gardebrigade, der sein Regiment angehörte, stand bis zum Nachmittag hinter den östlich von Givonne gelegenen Höhen bereit. Er begab sich zu der Artillerie, die in langer Linie am Höhenkamm in Stellung gegangen war und von hier aus die französischen Linien unter Feuer nahm. Von hier aus hatte er einen Überblick auf die ganze Gegend vom Ardenner Wald bis gegen die Maas. Im besonderen lag das Höhengelände von Illy und die französische Stellung westlich des Baches Givonne - einschließlich des Bois de la Garenne zum Greifen nahe vor ihm. Die Katastrophe der französischen Armee entwickelte sich also geradezu vor seinen Augen. Er konnte beobachten, wie der deutsche Feuerkreis sich allmählich um den unglücklichen Gegner schloss, und wie die Franzosen heldenhafte Versuche unternahmen, durch einzelne Vorstöße die Umklammerung zu durchbrechen.
Für den jungen Leutnant hatte der Kampf noch ein besonderes Interesse. Am Tag vor der Schlacht hatte er beim Durchmarsch durch Carignan bei einem Sattler eine Reitpeitsche gekauft. Der Sattler, selbst einmal Soldat gewesen, war etwas gesprächig. Von ihm erfuhr er, dass der französische Kaiser, Napoleon III., bei seiner Armee sei. Leutnant Hindenburg meldete dies weiter, doch man glaubte ihm das nicht. (Latrinenparole)
Als er am Tag der Schlacht angesichts der sich immer mehr abzeichnenden feindlichen Vernichtung die Äußerung machte: "In diesem Kessel befindet sich Napoleon" wurde er ausgelacht. Sein Triumph war groß, als sich später die Richtigkeit seiner Behauptung bestätigte.
Der französische Kaiser wurde nach der Schlacht bei Sedan gefangengenommen. Man freute sich auf das Ende des Krieges und wurde bitter enttäuscht. Der Krieg ging weiter. Diese Fortsetzung des französischen Widerstandes nach der verlorenen Schlacht von Sedan hat man auf deutscher Seite nur als eine unnütze französische Selbstzerfleischung angesehen. Hindenburg teilte in späteren Jahren diese Ansicht nicht.
"...Zeigte sich doch darin, dass die französische Republik die Waffen da aufnahm, wo das Kaiserreich sie niederzulegen gezwungen war, meiner Ansicht nach nicht nur ein vorbildlicher patriotischer Geist, sondern auch ein weiter staatsmännischer Zukunftsblick. Ich glaube noch heute (1920), dass Frankreich mit einem Versagen seines Widerstandswillens in diesem Augenblick den größten Teil seiner völkischen Würde und damit die Aussichten auf eine bessere Zukunft preisgegeben hätte."
Am Abend des 3. September verließ sein Regiment das Schlachtfeld in Richtung Paris. Am 10. sah er von der Hochfläche bei Genosse aus, 8 km nordöstlich St.Denis, zum ersten Mal die französische Hauptstadt. "Die vergoldeten Kuppeln des Invalidendoms und anderer Kirchen funkelten im Morgensonnenstrahl." Statt eines baldigen vollen Erfolges hatte man noch monatelang recht anstrengenden und undankbaren Dienst auszuüben, der an seiner Front nur selten durch kleinere Ausfallgefechte unterbrochen wurde. Leutnant von Hindenburg blieb bis Mitte Januar 1871 an diesem Abschnitt. Dann sollte ihm allerdings das Schicksal ein besonderes Ereignis zuteil werden lassen....

Die Kaiserproklamation zu Versailles
Am Abend des 16. Januar 1871 wurde der junge Leutnant von Hindenburg aus dem eintönigen Belagerungsdienst befreit. Er erhielt den Befehl, zusammen mit einem Sergeanten bei der Kaiserproklamation am 18. Januar 1971 im Schloss zu Versailles das Regiment zu vertreten. Noch in der gleichen Nacht hatten sie sich im 15 km entfernten Margency einzufinden. Von dort sollten sie am nächsten Tag über St.Germain nach Versailles weiterreisen. (40 km) In St.Germain angekommen, gab es ein Frühstück im "Pavillon Henri quatre", herrlich über der Seine gelegen.
Am 17. abends kam man in Versailles an. Hindenburg nahm Quartier bei einer freundlichen alten Dame in der Avenue de Paris. Bei einem Souper im L'hôtel des Réservoirs wurde man für die unbequeme Anreise angenehm entschädigt.
Am Tag darauf war er im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles bei der Ausrufung Wilhelm I. zum Deutschen Kaiser, und damit der Gründung des Deutschen Reiches, anwesend. Seine Eindrücke waren geteilt. Einerseits war er von der Person seines "allergnädigsten Königs und Herrn" sehr angetan. "Seine alles beherrschende Würde gab der Feier eine größere Weihe als aller äußere Glanz". Die Reichsgründung sah er mit gemischten Gefühlen. "Die Freude über das "Deutsche Reich" brachten wohl unsere süddeutschen Brüder am lebhaftesten zum Ausdruck. Wir Preußen waren darin zurückhaltender, aus historischen Gründen, die unseren eigenen Wert zu einer Zeit schon hatten erkennen lassen, in der Deutschland nur ein geographischer Begriff war. Das sollte fortan anders werden!" Am Abend war man als Gast des Kaisers zum Essen im "Hotel de France" geladen.
Der 19. Januar begann mit der Besichtigung des alten französischen Königsschlosses mit seiner stolzen, den Ruhm Frankreichs verewigenden Gemäldesammlung.
Plötzlich aufkommender Kanonendonner rief sie in die Stadt zurück. Es handelte sich um den großen Ausfall der Franzosen vom Mont Valerien her. Sie beobachteten den Kampfverlauf eine Zeit lang als "Schlachtenbummler" (von daher der Begriff). Am Nachmittag trat man die Rückfahrt an und spät in der Nacht erreichten sie das Regimentquartier Villers le Bel, 8 km nördlich St.Denis.
Der vergebliche Ausfall vom Mont Valerien war die letzte große Kraftanstrengung Frankreichs. Am 26. Januar 1871 folgte die Kapitulation von Paris und zwei Tage später der allgemeine Waffenstillstand. Nach der Übergabe der Forts bezog seine Einheit Quartier in der Nähe der Pont de Neuilly, direkt an der Seine, Paris gegenüber.
Ganz so früh, wie man hoffte, sollten sie Frankreich nicht verlassen. Sie mussten zunächst noch an der Nordfront von Paris in und bei St.Denis bleiben. Dort wurden sie Zeugen des Kampfes der französischen Regierung gegen die "Kommune", eine der ersten kommunistischen Bewegungen Europas. Deren Umsturzversuche führten zum Bürgerkrieg in und um Paris mit schlimmen Ereignissen. Die Drohung eines freigelassenen kommunistischen Führers: "Die Regierung hatte nicht den Mut, mich erschießen zu lassen, aber ich werde den Mut haben, die Regierung zu füsilieren", sollte anscheinend verwirklicht werden.
Erst Anfang Juni 1871 kehrten sie in das nun vereinte Deutschland zurück. Er war jetzt nicht mehr preußischer, sondern deutscher Offizier. Der Einzug in Berlin erfolgte diesmal vom Tempelhofer Feld aus.