powered by crawl-it
1866

Paul von Hindenburg

Als Seconde-Leutnant in der Schlacht bei Königgrätz 1866

(Heute: Hradec Králové, Tschechien)

Das 3. Garderegiment zu Fuß gehörte zu jenen Truppenteilen, die 1859/60 neu aufgestellt wurden. Es war aus dem 1. Garderegiment zu Fuß hervorgegangen. Das junge Regiment hatte sich bereits im Feldzug gegen Dänemark 1864 bewährt und erste Lorbeeren geerntet. Die politischen Ereignisse der kommenden Monate warfen dort schon ihre Schatten voraus. Die Mobilmachung gegen Österreich war zwar noch nicht ausgesprochen, aber der Befehl zur Erhöhung des Mannschaftsbestandes war ergangen.
Der 18-jährige Paul fieberte dem sich abzeichnenden Entscheidungskampf entgegen. "Es ist höchste Zeit, dass die Hindenburgs mal wieder Pulver riechen", schrieb er nach Hause. Das Regiment wurde nach Potsdam verlegt.
Beim Vormarsch auf Böhmen führte er den 1. Schützenzug der 5. Kompanie (II. Bataillon). Das Gardekorps, dem sein Regiment angehörte, war der 2. Armee unterstellt. Oberbefehlshaber war Kronprinz Friedrich, der spätere Kaiser (1888, Vater von Wilhelm II.). Sein Generalstabschef war General von Blumenthal.
Zunächst kam sein Schützenzug nicht an den Feind. Er gehörte der Reserve an. Bis auf kleinere Scharmützel mit österreichischer Infanterie, gefallene Soldaten zusammenbringen und begraben, Gefangene zurückbringen und Verpflegung vorbringen, geschah nichts besonderes. Sein Zug bewegte sich dabei im Gebiet um Trautenau, Königinhof und Josephstadt.
Dann, am 3. Juli ertönte das Alarmsignal und der Vormarschbefehl rief seine Einheit auf das Schlachtfeld von Königgrätz. Die jungen Gardisten hatten in ihrem jugendlichen Eifer schon Angst, zu spät zu kommen. Diese Sorge erwies sich bald als unbegründet. Der Kanonendonner wurde immer lauter, nachdem sie aus dem Elbtal heraufgestiegen waren. Bald schlugen die ersten Granaten in ihre Reihen. Eine der ersten Geschosse verwundeten den Kompanieführer, eine weitere schlug mitten in die Kolonne ein und es gab 25 Tote und Verletzte. Die Artillerie der Österreicher blieb ihrem guten Ruf treu. Zwischen Ehlum und Redelist traf sein Halbbataillon, eine damals beliebte Gefechtsformation, überraschend auf feindliche Infanterie, die von Süden herangekommen war. Sie wurde zum Weichen gebracht. Sie mit seinem Schützenzug verfolgend, stieß er plötzlich auf eine österreichische Batterie, die mit rücksichtsloser Kühnheit herbeieilte, abprotzte und sie mit einer Kartätschlage eindeckte. Von einer Kugel, die seinen Helm durchbohrte, am Kopf gestreift, brach er für kurze Zeit bewusstlos zusammen. Er raffte sich wieder auf und sein Zug nahm die feindliche Batterie. Fünf Geschütze wurden erobert.
"Es war ein stolzes Gefühl, als ich hoch aufatmend, aus leichter Kopfwunde blutend, unter meinen eroberten Kanonen stand."
Der junge Leutnant von Hindenburg hatte damit seine Feuertaufe bestanden. Es hatte an einer der großen Entscheidungsschlachten der Weltgeschichte teilgenommen. Der Schlacht bei Königgrätz. Die preußische Armee stand nach nur einem Tag als Siegerin fest. Für seinen Schützenzug kam es noch zu heftigen Kämpfen in Rosberitz und bei Wsestar. Insgesamt verlor er die Hälfte seiner Leute. Am 6. Juli überschritt sein Regiment die Elbe bei Pardubitz. Als am 22. Juli Waffenstillstand vereinbart wurde, befand sich seine Einheit in Niederösterreich, 40 km vor Wien. Die Preußen traten den Rückmarsch an.

Am 20. September 1866 war der feierliche Einzug in Berlin. Die Aufstellung zur Parade erfolgte auf dem Königsplatz der Zwanziger Jahre, 1866 ein sandiger Exerzierplatz. Wo in den Zwanziger Jahren das Generalstabsgebäude stand, befand sich 1866 ein Holzhof, der mit der Stadt durch einen mit Weiden besetzten Weg verbunden war. Hindenburg schreibt vom "Groll´s Etablissement", das es schon damals an der Stelle gab.
Sein Bataillon nahm am damaligen Floraplatz Aufstellung. Ihm wurde der Rote Adlerorden 4. Klasse mit Schwertern verliehen. Seine erste Auszeichnung. Die Medaille sollte sofort angelegt werden, weil die neuen Auszeichnungen bei der Siegesparade getragen werden sollten. Als er sich ratlos umsah, trat eine alte Dame aus der Menge der Zuschauer heraus und befestigte mit einer Stecknadel das Ehrenzeichen an der Brust des 18-jährigen Seconde-Leutnants.
Die Parade nahm den Weg durch das Brandenburger Tor, Unter den Linden hinauf zum Opernplatz. Dort war der Vorbeimarsch an König Wilhelm I. Die alten Feldherren Blücher, Scharnhorst und Gneisenau blickten von ihren Sockeln auf sie herab.
Seinem 3. Garde - Regiment wurde Hannover als Friedensgarnison zugewiesen. Bis zum Kriegsausbruch 1870 gegen Frankreich war er hier stationiert und war mit der Ausbildung von Rekruten beschäftigt.
In diese Zeit fiel auch seine erste große Liebe. Er lernte Irmengard von Rappard kennen, mir der er sich auch verlobte. Sie verstarb jedoch im April 1871, während er am Frankreichfeldzug teilnahm, an Tuberkulose.