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Könglich-Preußscher Kadett

Paul von Hindenburg

Kindheit und Jugend

Am 2. Oktober 1847 in Posen (Posnan) geboren, war er der älteste von vier Geschwistern. Sein Vater Robert von Hindenburg und seine Mutter Wilhelmine Schwickart heirateten 1845. Die beiden kannten sich seit der frühen Kindheit. Sie wohnten im selben Haus. Robert war bei seiner ältesten Schwester untergebracht. Zum Zeitpunkt der Hochzeit war er Leutnant im Infanterieregiment 18. Wilhelmines Vater war Generalarzt bei der preußischen Armee. Als junger Offizier kam Pauls Vater im Zuge dienstlicher Versetzungen ziemlich viel in Deutschland herum. Und mit ihm seine Familie. Nach Posen (Poznan) folgte Graudenz (Grudziadz), Köln, Pinne bei Posen, Glogau (Glogów) und Cottbus. Die schönste Erinnerung an seine Kindheit hatte Paul von dem kleinen Städtchen Pinne.
Dort führte sein Vater 1850 - 55, als überzähliger Hauptmann vier Jahre lang eine Landwehrkompanie. Es war ein bescheidenes, idyllisches Landleben. Er erinnert sich gerne an seinen Schullehrer, Herr Kobelt. Auf einem angrenzenden Rittergut wohnte eine Frau von Rappard, mit der seine Familie verkehrte. Deren Bruder, Herr von Massenbach, wohnte in der Nähe auf dem Rittergut Bialokosz. Unter dessen großer Kinderschar fand er einige Spielgefährten. Im Herbst 1914 besuchte Paul von Hindenburg den Ort von Posen aus und betrat mit Rührung das kleine bescheidene Häuschen, in dem er einst im Schoße seiner Familie viele glückliche Kindertage verbracht hatte. Der Besitzer des Gutes Bialokosz war inzwischen der Sohn eines seiner einstigen Spielgefährten. So vergeht die Zeit.
1855 zog die Familie nach Schlesien, in die historische Festung Glogau, dem heute polnischen Glogów, wohin der Vater versetzt wurde. In diese Zeit fällt sein Eintritt in das Kadettenkorps. Zunächst besuchte er je zwei Jahre die Bürgerschule und das evangelische Gymnasium.

Als er an einem Frühlingsabend des Jahres 1859 am Gittertor der Kadettenanstalt zu Wahlstatt seinem Vater Lebewohl sagte, galt der Abschied nicht nur dem geliebten Vater, sondern gleichzeitig seiner ganzen bisherigen wohlbehüteten Kindheit. Aus diesem Gefühl heraus stahlen sich ein paar Tränen aus seinen Augen. Er sah sie auf seinen "Waffenrock" fallen. "In diesem Kleid darf man nicht schwach sein und weinen", fuhr es ihm durch den Kopf. Er riss sich empor aus seinem kindlichen Schmerz und mischte sich nicht ohne Bangen unter seine nunmehrigen Kameraden.

Die Kadettenschule in Wahlstatt wurde seinerzeit für Knaben des Landadels bevorzugt. Man zeigte sich stolz, wenn ein Sohn dort aufgenommen wurde. Zudem war Wahlstatt auch historischer Boden. 1241 war dort eine Schlacht gegen die Mongolen. Und der preußische General Blücher hatte am 26. August 1813 in dieser Gegend das französische Heer unter Marschall MacDonald besiegt. Das Leben im preußischen Kadettenkorps war bewusst und gewollt rau. Die Erziehung war neben der Schulbildung auf eine gesunde Entwicklung des Körpers und des Willens gestellt. Tatkraft und Verantwortungsfreudigkeit wurden ebenso hoch bewertet als Wissen. Die einzelne Persönlichkeit sollte sich auch in ihren Besonderheiten frei entwickeln.
"Es war etwas von dem Yorckschen Geiste in jener Erziehung, ein Geist, der so oft von oberflächlichen Beurteilern falsch aufgefasst worden ist. Gewiss war Yorck gegen sich wie gegen andere ein harter Soldat und Erzieher, aber er war es auch, der für jeden seiner Untergebenen das Recht und die Pflicht des freien, selbständigen Handelns forderte, wie er selbst diese Selbständigkeit gegen jedermann zum Ausdruck brachte. Der Yorcksche Geist ist daher nicht nur in seiner militärischen Straffheit, sondern auch in seiner Freiheit einer der kostbarsten Züge unseres Heeres gewesen."
(Hindenburg: Aus meinem Leben)

An Ostern 1863 wurde er nach Sekunda und hierdurch nach Berlin versetzt. Die dortige Kadettenanstalt lag in der Neuen Friedrichstraße unweit des Alexanderplatzes. Bei den Frühjahrsparaden mit Aufstellung Unter den Linden und Vorbeimarsch auf dem Opernplatz sowie bei den Herbstparaden auf dem Tempelhofer Feld machte sich Glanz und Gloria der preußischen Hauptstadt bemerkbar, im Unterschied zum ländlichen Wahlstatt. Hier konnte er auch zum ersten Mal seinen "allergnädigsten Herrn, König Wilhelm I.", sehen. Als 1864 der Krieg gegen Dänemark ausbrach und ein Teil der älteren Kadetten zur Truppe geschickt wurde, wäre er am Liebsten mitgezogen. "Mich selbst verhinderte leider noch das jugendliche Alter daran, zu der Zahl dieser Viel beneideten zu gehören. Mit welch heißen Wünschen die ausziehenden Kameraden von uns begleitet wurden, bedarf keiner Schilderung."
Im Frühjahr 1866 verließ er die Kadettenschule und trat am 7. April als Seconde-Leutnant in das
3. Garderegiment zu Fuß in Danzig ein.