powered by crawl-it
Gefecht bei Kutno

Die Schlacht bei Lódz

16. - 24. November 1914

Die Gefechte bei Kutno

Die Operationen am 14. November hatten die Erwartungen des AOK 9 fast übertroffen. Der Oberkommandierende, General August von Mackensen, forderte seine Kommandierenden Generale dazu auf, diese temporäre Überlegenheit so schnell wie möglich auszunutzen und den geschlagenen Gegner gegen den Abschnitt der Ner und Bzura zu werfen, bevor dieser Kräfte der 2. Armee zur Unterstützung heranziehen kann. Die Vernichtung des sich auf dem nördlichen Ner- und Bzura-Ufer befindlichen Gegners war daher die Aufgabe für den 15. November. Hierzu sollte das XVII. Korps Lenczyca einnehmen, um den Russen den Rückzug zu verlegen. Dem I. Reservekorps fiel der Schutz der linken Flanke gegen Plock zu. Mit Tagesanbruch des 15. November erneuerte die 36. Reservedivision ihren Angriff. Recht von ihr war die 1. Reservedivision eingesetzt, die erst am Tag zuvor die Gegend südöstlich von Kowal erreicht hatte. Um 12:30 Uhr wurde Piotrow vom Pommerschen Infanterieregiment 54 im Sturm genommen. Auch bei der 1. Reservedivision, besonders auf deren rechtem Flügel, ging der Angriff gut voran. Die russischen Verbände wurden um zwei Kilometer zurück geworfen. Am Abend standen die Russen in neuer befestigter Stellung, die sie aber im Laufe der Nacht wieder räumten. In der Verfolgung über Gostynin auf Gombin-Lonck trat das I. Reservekorps östlich Gostynin gegen Mittag des nächsten Tages erneut in den Kampf. Die 36. Reservedivision stieß auf besonders hartnäckigen Widerstand. Bei Rogozewo versuchten die Sibirier durch kräftige Gegenstöße sich Luft zu verschaffen. Der Übergang bei Plock lag in ihrem Rücken und musste für die erwarteten Verstärkungen offen gehalten werden. Auf der ganzen Front tobte der Kampf. Bei Einbruch der Dunkelheit wurde die Stellung von den Deutschen genommen. Die inzwischen dem Korps unterstellte Abteilung Schmid war über Klusek herangezogen und hatte sich bei Stanozenta großer russischer Überlegenheit erwehren müssen.
Als Beute beider Tage konnte Generalleutnant Kurt von Morgen 8000 Gefangene von beiden Divisionen des V. sibirischen Korps und der zum VI. sibirischen Korps gehörenden 14. Schützendivision, sowie 11 Geschütze und 20 Maschinengewehre melden. Es war ihm also voll gelungen, seinen Auftrag zu erfüllen. Aber schon war der Anmarsch weiterer russischer Verbände, nämlich der 13. sibirischen Schützendivision festgestellt worden, die auf Dampfschiffen über die Weichsel gesetzt war. Mit dem weiteren Eintreffen auch von Teilen des VI. russischen Armeekorps war zu rechnen.

Gefecht bei Lanienta
Am frühen Morgen des 15. November stürmte das XXV. Reservekorps gegen die russische Höhenstellung östlich Lanienta. Die russische Besatzung konnte dem Ansturm nicht standhalten und ergab sich am Nachmittag. Das befohlene Ziel Kutno konnte das Korps aber nicht mehr erreichen, die schlechten Straßen machten dies unmöglich.
Zwischen den beiden Reservekorps (I. und XXV.) befand sich die Kavallerie Richthofens. Mit dem Fall der Stellungen bei Lanienta räumte die russische Führung auch hier das Feld. Dem Heeres-Kavalleriekorps I eröffnete dies die Möglichkeit, weiter nach Süden in den Rücken des II. russischen Armeekorps und dann weiter nach Lodz und Skieniewice vorzustoßen. Hier befand sich das Hauptquartier der russischen 2. Armee mit ihrem Oberkommandierenden General Scheidemann. Es lagen auch Informationen vor, dass der russische Oberbefehlshaber, Großfürst Nikolai Nikolajewitsch mit seinem Stab, sich hier aufhält. Es stellt sich ihnen jedoch neuer Widerstand entgegen. Der 6. Kavalleriedivision bei Strelce und der 9. östlich Sokolow, wo diese Division 800 Gefangene macht. Um ein Haar wäre den Deutschen ein großer Handstreich gelungen.
Die 6. Kavalleriedivision gelangte schließlich am späten Abend bis dicht vor Kutno. Ihr Kommandeur, Generalleutnant Graf Egon von Schmettow, wollte die Stadt einnehmen. Die Ausgänge wurden gesperrt. Zu Fuß drangen die Reiter gleichzeitig von mehreren Stellen in die Straßen Kutnos. Nach blutigen Straßenkämpfen wurden 1200 Russen gefangen genommen. Ohne Nachtruhe wurde am nächsten Morgen der Weitermarsch befohlen. Bei Dworne, 7 km östlich Kutno, gelang es der Vorhutschwadron der 6. Kavalleriedivision den Zivil-Gouverneur von Warschau, Baron Korff, in seinem Kraftwagen gefangen zu nehmen.
Erneut stieß das Kavalleriekorps auf Widerstand russischer Infanterie und Artillerie, der erst am Abend gebrochen werden konnte. Die 6. Kavalleriedivision erreichte aber doch noch den Fluss Bzura bei Orlow, die 9. kam bis Zychlin vorwärts. Durch das Herumgreifen der Kavallerie Richthofens war die Aufgabe des XXV. Reservekorps am 16. November wesentlich erleichtert worden. Im Vormarsch durch das von Schmettow geöffnete Kutno gelangte es bis zum Abend kampflos nach Piontek.

Sturm auf Piorowawola
Das XX. Armeekorps hatte in Gefechten östlich Dombrowice bereits am 14. einen schweren Tag. Am 15. war die Stellung östlich der Bahnlinie zu nehmen, sollte nicht der Vormarsch der ganzen 9. Armee in Frage gestellt werden. General von Scholtz, Kommandierender General XX.AK, befahl den Angriff am frühen Morgen. Bereits gegen Mittag war die 41. Infanteriedivision, unter Führung ihres Kommandeurs Gen.Mj. Schmidt von Knobelsdorf, im Besitz der durch etagenweisen Einbau von Maschinengewehren festungsartig eingerichteten Stellung von Piorowawola. Die Division hatte hohe Verluste, aber sie machte 5000 Gefangene und konnte 30 Maschinengewehre erbeuten. Im Vormarsch aus der Gegend südöstlich Krosniewice stieß das Korps am 16. wiederholt auf Widerstand, so dass es die Bzura erst mittags mit den Vorhuten bei Kuchary und Ktery erreichte. Südöstlich Lenczyca ging das Korps zur Ruhe über. Die Ausführung des Armeebefehls, über Ozorkow möglich weit nach Süden vorzustoßen, um der russischen Masse den Rückzug nach Osten abzuschneiden, war nicht möglich gewesen. Die Truppe war erschöpft.

Lenczyca
Das XVII. Armeekorps war in der Verfolgung des geschlagenen Gegners mit der 35. Division in der Nacht vom 14. auf den 15. auf neue russische Stellungen gestoßen. Sie konnten erst am Morgen genommen werden. Nach Vernichtung starker russischer Kräfte bei Milonice war die 36. Division man Nachmittag des 15. November im Besitz von Lenczyca, sie besetzte die Linie Wilczkowice-Borki. Am 16. sehen wir das Korps auf halbkreisförmigen Bogen von Zduny über Leznica-Wroblew-Mentlew mit der 36. Division rechts, mit der 35. links, in schwerem, bis zur Nacht fortdauernden Kampf, an dem auch Teile der nach Blonie, nordwestlich Lenczyca, verlegten schweren Artillerie des XI. Korps teilnahmen.

Dieses Korps hatte nach schweren Bajonettangriffen am 15. früh Morgens Dombie erstürmt. Es wehrte dann wiederholte, von der russischen 3. Garde-Division tapfer geführte Angriffe ab. Die andere zum XXIII. russischen Armeekorps gehörende Division hatte die Flugaufklärung im Marsch von Wartkowice auf Lenczyca festgestellt. Diese Meldung wurde durch einen in der Nacht zur Kenntnis der Deutschen gelangten Befehl General Scheidemanns bestätigt, der den Angriff gegen die Front Dombie-Lenczyca am nächsten Tag regeln sollte. Daher hielt der Armeebefehl das XI. Armeekorps auch am 16. zur unbedingten Behauptung des nördlichen Nerufers in seiner sich von Chelmno über Dombie bis Gac erstreckenden Stellung fest.

Die Schlacht bei Kutno war für die Deutschen gewonnen, der Ner-Bzura Abschnitt erkämpft. Etwa vier russische Korps hatten 25.000 Mann als Gefangene, 70 Maschinengewehre und 20 Geschütze in den Händen des Siegers gelassen. Der rechte Flügel der sich gegen Posen und Schlesien heran wälzenden russischen Massen war geworfen und umgeknickt.
Wird der russische Oberbefehlshaber an seinem Befehl zum "tiefen Einfall" in Schlesien festhalten? Wenn er es tat, dann riskierte er zwei Armeen und die Lage an seiner Front wird unhaltbar.