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Neuer Plan

Die Schlacht bei Lodz.

16. - 24. November 1914

Lage Anfang November 1914

An der gesamten Ostgrenze Deutschlands, von Tilsit bis Krakau, waren Kampfhandlungen zu erwarten die in engem Zusammenhang standen. Die Notwendigkeit eines übergeordneten Führungsstabes zeichnete sich immer deutlicher ab. Am 1. November verfügte die Oberste Heeresleitung die Bildung eines Oberkommandos Ost. Generaloberst von Hindenburg erhielt den Oberbefehl, Ludendorff wurde Chef des Generalstabes. Als Sitz des Hauptquartiers wird Posen bestimmt. Der Befehlsbereich erstreckte sich über sämtliche deutschen Truppen im Osten. Dies waren die 8. und 9. Armee, daneben die stellvertretenden Generalkommandos I., XX., XVII., II., V., und VI. Armeekorps in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Pommern, Posen, Schlesien mit den dort befindlichen Festungen Graudenz, Thorn und Posen.
Die Führung der 9. Armee wurde nun offiziell General August von Mackensen übertragen. Bisher hatte er das Armee-Oberkommando nur kommissarisch geleitet.
Die 8. Armee in Ostpreußen hatte entsprechend ihrer mehr defensiven Aufgabe bei weitem nicht mehr die zahlenmäßige Größe und Kampfkraft wie zu Beginn des Krieges. Auch hier hatte General Herrmann von François nur die kommissarische Leitung inne, der nun auch zum offiziellen Oberbefehlshaber AOK 8 avancierte. Eine Woche später, am 7. November erhielt General Otto von Below den Oberbefehl über die 8. Arme, bisher Kommandierender General des I. Reservekorps.
Der Plan des russischen Generalissimus, Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, wurde der deutschen Führung klar vor Augen geführt. Es bedurfte keiner großen Analysen. Die 2. und 5. Armee sollten bei Kalisch und südlich "... tief in deutsches Gebiet eindringen", während die 1. Armee die Nordflanke zu decken hatte und die 4. und 9. die K.u.K. Armeen im südlichen Abschnitt in Schach hielten.
Gelang dies, so war Ostpreußen mitsamt der 8. Armee abgeschnitten und im Süden konnten die K.u.K.-Armeen von Norden her aufgerollt werden. Die Führung vertraute auf die zahlenmäßige Überlegenheit seiner Massen.

Der Oberbefehlshaber des neuen deutschen Oberkommandos Ost, Generaloberst Paul von Hindenburg und sein Chef des Stabes, Generalmajor Ludendorff, suchten nach einer Lösung.
Würden die deutschen Truppen in der jetzigen Aufstellung den Angriff der gegenüberstehenden 4 russischen Armeen frontal abzuwehren versuchen, so würde der Kampf gegen die erdrückende Übermacht wohl ebenso verlaufen wie vor Warschau. Schlesien ist also auf diese Weise vor dem Einbruch der Russen nicht zu retten. Diese Aufgabe ist nur im Angriff zu lösen. Ein Angriff jedoch, gegen die Stirnseite des weit überlegenen Gegners geführt, würde einfach zerschellen.
Er muss also gegen die nur schwach gedeckte Flanke der Russen gerichtet werden. Mit einer ausholenden Bewegung der linken Hand illustriert Hindenburg bei der ersten Besprechung diesen Gedanken. Wenn der russische Nordflügel in der Gegend von Lodz vermutet wird, so müssen die Deutschen ihre Angriffskräfte in Richtung Norden bis nach Thorn verschieben. Zwischen dieser Stadt und Gnesen wird also der neue Aufmarsch geplant.
Man trennt sich damit weit vom österreichisch-ungarischen Heeresflügel. Nur noch schwächere deutsche Kräfte, darunter das hart mitgenommene Landwehrkorps Woyrsch, sollen in der Gegend von Ezenstochau belassen werden. Bedingung für den deutschen Abmarsch nach Norden ist, dass die Österreicher an ihre Stelle in Gegend von Ezenstochau 4 Infanteriedivisionen aus der zur Zeit nicht bedrohten Karpatenfront heranführt.
Durch den neuen Aufmarsch der Deutschen bei Thorn - Gnesen werden die gesamten verbündeten Streitkräfte der Mittelmächte im Osten in drei Gruppen verteilt.
Die erste wird gebildet durch das österreichische-ungarische Heer beiderseits der oberen Weichsel, die beiden anderen durch die deutsche 9. und 8. Armee. Die Zwischenräume zwischen diesen drei Gruppen können nicht durch vollwertige Kampftruppen geschlossen werden. Das neu gebildete Oberkommando Ost (OberOst) ist gezwungen, in die etwa 100 km breite Lücke zwischen den Österreichern und der deutschen 9. Armee im wesentlichen neu formierte Verbände einzuschieben. Diese besitzen an sich schon geringe Kampfkraft und müssen noch dazu an der Front einer mächtigen russischen Überlegenheit sich so breit ausdehnen, dass sie eigentlich nur einen dünnen Schleier bilden. Rein zahlenmäßig beurteilt, brauchen die Russen gegen Schlesien nur anzutreten, um diesen Widerstand mit Sicherheit zu überrennen.
Zwischen der 9. Armee bei Thorn und der 8. Armee in den östlichen Gebieten Ostpreußens befindet sich im wesentlichen nur Grenzschutz, verstärkt durch die Hauptreserven aus Thorn und Graudenz. Auch diesen Truppen gegenüber steht eine starke russische Gruppe von etwa 4 Korps nördlich von Warschau und auf dem rechten Ufer der Weichsel und des Narev. Diese russische Gruppe könnte, wenn sie über Mlawa angesetzt würde, die Lage, wie sie sich Ende August vor der Schlacht bei Tannenberg entwickelt hatte, nochmals wiederholen. Das Rückengebiet der 8. Armee scheint also erneut und bedenklich bedroht.
Aus dieser Lage soll der Angriff der 9. Armee gegen die nur schwach geschützte Flanke der russischen Hauptmassen in Richtung Lodz befreien. Es ist der deutschen Führung klar, dass diese Armee, wenn ihr Angriff nicht rasch durchdringt, die feindlichen Massen von allen Seiten auf sich ziehen wird. Diese Gefahr ist um so größer, als weder zahlenmäßig hinreichende, noch genügend vollwertige Truppen zur Verfügung stehen, um sowohl die russischen Heeresmassen im großen Weichselbogen als auch die feindlichen Korps nördlich der mittleren Weichsel durch starke durchhaltende Angriffe frontal zu fesseln oder auch nur auf längere Zeitspanne hinaus zu täuschen.
Hindenburg: "Wir werden freilich trotz alledem überall unsere Truppen zum Angriff vorgehen lassen, aber es wäre doch ein gefährlicher Irrtum, hiervon sich allzuviel zu versprechen." Was an angriffsstarken Verbänden irgendwo frei gemacht werden kann, muss zur Verstärkung der 9. Armee herangeholt werden. Sie führt den entscheidenden Schlag. Mag die 8. Armee noch so bedroht sein, sie muss zwei Armeekorps zugunsten der 9. abgeben. Die Verteidigung der erst vor kurzem befreiten Ostgebiete Ostpreußens kann unter solchen Verhältnissen nicht mehr an der russischen Landesgrenze durchgeführt werden, sondern muss in das Seengebiet Masurens und an die Angerapp zurück verlegt werden.
Die Gesamtstärke der 9. Armee wird durch die geschilderte Maßnahme auf etwa 5½ Armeekorps und 5 Kavalleriedivisionen gebracht. (Zwei Kav.Div. werden aus der Westfront herangebracht)
Hindenburg: "Weitere Kräfte glaubte die Oberste Heeresleitung trotz unserer ernsten Vorstellungen dort nicht freimachen zu können. Sie hofft in dieser Zeit immer noch auf einen günstigen Ausgang der Schlacht bei Ypern Die Schwierigkeiten des Zweifrontenkrieges zeigen sich erneut in ihrer ganzen Größe und Bedeutung."
Er vertraute darauf, dass Schnelligkeit und Tatkraft die zahlenmäßige Unterlegenheit der deutschen Truppen ausgleicht.