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Vormarsch auf Warschau

Die Schlacht bei Lodz.

16. - 24. November 1914

Der Vormarsch auf Warschau

Die deutsche Führung unter Generaloberst Hindenburg wollte durch einen massiven Vorstoß auf Warschau die russische Führung unter dem Oberbefehl des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch zwingen, aus seiner Front weiter im Süden Truppen abzuziehen und den Deutschen entgegenzuwerfen und damit die österreichisch-ungarische Front im Anschluss nach Süden zu entlasten.

Bei der Führung im AOK 9 hatte man es für das beste gehalten, die Armee bei Kreuzburg in Oberschlesien zu versammeln. Dort hätte man mehr Bewegungsfreiheit gehabt, um gegen die nördliche Flanke der russischen Heeresgruppe in Polen vorzugehen. Dies wurde von der OHL auf Wunsch der Östereicher abgelehnt.
Die 9. Armee versammelt sich also im engsten Anschluss an den linken österreichisch-ungarischen Heeresflügel nördlich Krakau. Das Hauptquatier wird in Beuthen eingerichtet. Der Vormarsch nördlich der Weichsel begann am 28. September. Die k.u.k. 1. Armee schwenkte rechts gegen die untere Nida ein in Richtung der Linie Sandomir - Opatow. Im Anschluss nach Norden die deutsche 9. Armee in allgemeiner Richtung Weichsellinie Warschau - Iwangorod. Vom Gegener waren keine neuen Nachrichten eingetroffen. Er leistete zunächst auch keinen Widerstand und zog sich sich vor dem deutsch - östereichischen Vormarsch zurück. Am 6. Oktober erreichen deutsche Truppen über Opatow - Radom die Weichsel.
Die Bewegungen werden durch grundlose Wege aus äußerste erschwert. Die russische Führung, unter Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, bekommt allmählich Einblick und trifft Gegenmaßnahmen. Er zieht aus der Front gegen die Österreicher sechs Armeekorps heraus, um sie südlich Iwangorod den Deutschen frontal entgegenzuwerfen.
Was sich an Russen westlich der Weichsel befunden hatte, war zurück geworfen worden. Nun bildet sich eine Bedrohung des deutschen Nordflügels zwischen Warschau und Iwangorod heraus. Vorläufig ist eine Fortsetzung des Angriffs über die Weichsel südlich Iwangorod unmöglich. Zunächst muss der Gegner im Norden bekämpft werden.
Ein eigenartiges strategisches Bild entwickelt sich. Während gegnerische Korps von Galizien aus jenseits der Weichsel Warschau zustreben, bewegt sich auch ein Teil der deutschen Kräfte diesseits des Stromes in der gleichen nördlichen Richtung. Um den deutschen Abmarsch nach links aufzuhalten, wirft der Russe bei Iwangorod und südlich große Massen über die Weichsel. Sie werden in erbitterten Kämpfen zurückgeworfen. Es gelingt jedoch nicht, alle russischen Truppen völlig vom Westufer zu vertreiben. Zwei Tagesmärsche südlich Warschau trifft der linke Flügel unter General von Mackensen auf überlegene feindliche Truppen und wirft sie dennoch gegen die Festung. Etwa einen Tagesmarsch von der Fortslinie entfernt kommt jedoch der deutsche Angriff zum Stehen.

Auf dem Schlachtfeld südlich Warschau war den Deutschen ein russisches Dokument in die Hände gefallen. Es enthielt einen Befehl, der klaren Einblick in die Stärken des Gegners und seine Absichten ermöglichte. Demnach standen den Deutschen entlang der Weichsel, von der Sanmündung bis Warschau, vier russische Armeen gegenüber. Das sind etwa 60 Divisionen gegen 18 auf deutscher Seite. Aus Warschau heraus sind allein 14 russische Divisionen gegen 5 deutsche angesetzt. Die deutschen Truppen waren in ihrer Kampfkraft durch die voran gegangenen Kämpfe und langen Anmarschwege geschwächt, während die Russen auf vollzählige sibirische Korps, Elitetruppen des Zaren, zurückgreifen konnte.
Die Absicht des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch war, die deutschen Truppen längs der Weichsel zu fesseln, während ein entscheidender Stoß aus Warschau heraus zu ihrer Vernichtung führt.
Hindenburg dazu: "Ein zweifellos großer Plan des Großfürsten Nikolai Nikolajewitsch, ja der größte, den ich von ihm kennenlernte und der meines Erachtens auch sein größter blieb, bis er sich in den Kaukasus begeben musste ...... In Ostpreußen schien er nur vorrübergehend als Zuschauer geweilt zu haben."
Sollte den Russen diese Operation gelingen, so drohte nicht nur der 9. Armee, sondern der ganzen Ostfront, Schlesien, ja für ganz Deutschland eine Katastrophe. Es mussten Mittel und Wege gefunden werden, die drohende Gefahr abzuwehren. So zog man alle Truppen südlich Iwangorod ab, welche dort irgendwie entbehrlich waren, um sie südlich Warschau den Russen entgegenzuwerfen, in der Hoffnung, den Russen hier zu schlagen, bevor neue Massen dort erscheinen konnten. Hindenburg bittet das österreichisch-ungarische Oberkommando, unter General von Conrad, alles, was es an Truppen frei hat, sofort nach links der Weichsel gegen Warschau zu lenken. Das k.u.k. Oberkommando zeigt für die Lage zwar durchaus richtiges Verständnis, erhebt jedoch zugleich Bedenken, die gerade dieser Lage wenig entsprechen. Österreich-Ungarn ist bereit, die Deutschen zu unterstützen, aber nur auf dem zeitraubenden Weg einer Ablösung der deutschen Truppen im südlichen Abschnitt. (XI. Armeekorps, Garde-Reservekorps und Landwehrkorps Woyrsch)
Die Infanteriedivisionen der k.u.k. 1. Armee, die zur Ablösung der deutschen Korps vorgesehen waren, näherten sich nur langsam. Die Ablösung konnte vor dem 20. Oktober nicht beendet werden. Inzwischen war die Lage vor Warschau kritisch geworden. Die Gefahr der Umfassung im Norden wurde für die Deutschen immer größer. Dem russischen Druck aus Warschau und Nowo Georgiewsk war kaum noch standzuhalten.

Die deutsche Führung traf Vorbereitungen, die 9. Armee vor Warschau zurüchzunehmen. Brücken und andere wichtige Verkehrsknotenpunkte wurden zur Sprengung vorbereitet. Am 18. Oktober abends hielt General von Hindenburg und sein Stab den Zeitpunkt für gekommen. Der 9. Armee, inzwischen General von Mackensen unterstellt, wurde der Rückzug in die Linie Rawa - Skiernjewitze - Lowitsch befohlen. Das abgelöste Landwehrkorps Woyrsch konnte noch rechtzeitig in eine Stellung zwischen Nowe Mjassto und Rawa, nördlich des Flusses Pilitza gebracht werden.