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suedflanke

Die Schlacht an den Masurischen Seen

9. - 14. September 1914

Die Südflanke

Während die Masse der deutschen 8. Armee in der Verfolgung nach Osten war, hatten auch an der Südgrenze Ostpreußens und bei Lyck weitere Kämpfe stattgefunden.
Am 9. September wurde die halbe 35. Reserve-Division (Hauptreserve Thorn) nach Königsberg abbefördert. Damit standen an der Südgrenze außer einzelnen Landsturm-Bataillonen, die für den Infanterieeinsatz im Felde wenig Kampfwert hatten, im ganzen nur noch 18 Bataillone, 6 Schwadrone und 8 Batterien.
Die Hauptreserve Graudenz, die sich aus Richtung Westen bis Neidenburg ausgedehnt hatte, und die 5. Landwehr-Brigade (die andere Hälfte der 35. Reserve-Division) waren dem Gouverneur der Festung Graudenz, Generalleutnant von Zastrow, unterstellt. Die 5. Landwehr-Brigade rückte von Mlawa nordostwärts nach Janowo, um sich dem von Prasnysch gemeldeten Feind vorzulegen. Weiter östlich befehligte der Stellvertretende Kommandierende General des XX. Armeekorps, General der Kavallerie Graf von Schlieffen. Unter seinem Kommandobereich sicherte die 70. Landwehr-Brigade bei Wyschinjez.
Der Gegner kam am 9. September nur bei Wyschinjez bis in Reichweite der deutschen Truppen. Es schien eine Kavallerie-Division zu sein, dabei waren aber mindestens 4 Bataillone Infanterie und 4 Batterien gemeldet. Generalmajor Breithaupt, der an Ort und Stelle nur über etwas mehr als 3 Bataillone und 2 Batterien seiner 70. Landwehr-Brigade verfügte, wich der gegen ihn angesetzten russischen Umklammerung nach ersten Artillerieschüssen aus und marschierte dann die ganze Nacht hindurch 33 km zurück bis Ortelsburg.
Die Nachricht vom Zurückgehen der Brigade Breithaupt erreichte das Armee-Oberkommando in der Frühe des 10. September. Man war damals gleichzeitig in Sorge um die 3. Reserve-Division bei Lyck und wusste noch nicht, dass die Armee Rennenkampf im zurückgehen war. Eine weitere ungünstige Entwicklung der Lage an der Südfront schloss trotz des geringen Kampfwertes der Reste der russischen Narev-Armee ernste Gefahren in sich. Man war daher über das Zurückweichen der 70. Landwehr-Brigade sehr ungehalten. Generaloberst von Hindenburg veranlasste, dass sie wieder gegen die Grenze vorgeführt wurde.
Als aber bald darauf über den Abzug der Njemen-Armee kein Zweifel mehr bestand, konnte man auf die am Vortag nach Königsberg abgezogene Hälfte der 35. Reserve-Division verzichten. Sie wurde sofort an die Südfront nach Soldau zurückgefahren. Inzwischen hatte sich dort die Lage auch schon aufgehellt. Der Gegner ging zwar am 10. September noch bis an die Grenze heran, überschritt sie aber nur bei Myschinjez, und auch hier nur mit kleinen Kavallerie-Abteilungen. Im übrigen blieb er stehen und schanzte. Das deutsche Armee-Oberkommando aber befahl, trotz der Schwäche der eigenen Truppen, am 12. September dem Gouverneur von Graudenz und dem Stellvertretenden Kommandierenden General des XX. Armeekorps, den nördlich des Narev befindlichen Gegner anzugreifen, um ihm einen entscheidenden Schlag zu versetzen.
Dazu ließen General von Zastrow und General Graf von Schlieffen ihre schwachen Landwehrtruppen am 14. September aus der Linie Soldau-Willenberg wieder über die Grenze zum Angriff vorgehen. Der Gegner leistete insbesondere bei Chorshele Widerstand, ging aber am 15. September auf der ganzen Front zurück. Die deutschen Truppen erreichten bis zum 18. September Zjechanow und Prasnysch. Dieser Erfolg hob das Gefühl der hier eingesetzten vier deutschen Landwehr-Brigaden. Sie glaubten ihn allein durch ihren Angriff errungen zu haben. Dass die Russen auf höheren Befehl zurück gingen, konnten sie nicht wissen.

Gleichzeitig mit der russischen Unternehmung gegen die ostpreußische Südfront hatten aber auch frisch ausgeladene Teile des III.sibirischen Korps von Süden und andere russische Truppen von Osten einen Vorstoß gegen Lyck begonnen. Hier hielt Gen.Lt. Freiherr von der Goltz mit seiner Landwehr-Division am 12. September dem von drei Seiten umfassenden russischen Angriff stand. Am 13. machte er sich, unterstützt von Teilen der Lötzener Besatzung, durch einen Stoß in des Feindes Westflanke Luft. Am selben Tag gaben die Russen den Angriff auch hier auf und zogen sich über die Grenze zurück. Dies waren die letzten russischen Einheiten, die Ostpreußen verlassen hatten. Die seit Anfang August andauernde teilweise Besetzung der deutschen Ostprovinz war beendet. Die von ihren Höfen und Ortschaften geflüchtete Landbevölkerung kehrte nach und nach in ihre Heimat zurück.
Ein Vorstoß der 3. Reserve-Division aus Richtung Suwalki zwang die russische Führung am 16. September auch Augustow den deutschen Verfolgern zu überlassen.