powered by crawl-it

Kommandowechsel

am 23. August 1914
Prittwitz Hindenburg
Generaloberst
Max von Prittwitz
Abgelöst am 22. August 1914
General der Infanterie
Paul von Hindenburg
Kommando übertragen

Die Schlacht bei Tannenberg

26. - 30. August 1914

Kommandowechsel
am 23. August

Als neuer Oberbefehlshaber der 8. Armee waren General der Infanterie Paul von Beneckendorff und von Hindenburg (kurz "von Hindenburg") und als Chef des Generalstabes Generalmajor Ludendorff bestimmt worden.
Sie lösten Generaloberst von Prittwitz und Generalmajor von Waldersee ab. Die Oberste Heeresleitung war mit deren Entscheidung, die Armee hinter die Weichsel zurück zu nehmen, nicht einverstanden.

Paul von Hindenburg war im März 1911 mit 64 Jahren aus dem aktiven Dienst ausgeschieden und lebte seitdem in Hannover. Zuletzt war er Kommandierender General des IV. Armeekorps in Magdeburg. Dass bis jetzt noch keine Anfrage aus dem Hauptquartier bezüglich einer Verwendung gekommem war, machte ihm schon zu schaffen. Schließlich war er ein Leben lang Soldat gewesen, und jetzt wo es darauf ankam, war er im Ruhestand. ".... Der Soldat in mir wurde in seiner nunmehr alles beherrschenden Kraft wieder lebendig. Würde mein Kaiser und König meiner bedürfen? Gerade das letzte Jahr war ohne eine amtliche Andeutung dieser Art für mich vorübergegangen. Jüngere Kräfte schienen ausreichend verfügbar. Ich fügte mich dem Schicksal und blieb doch in sehnsuchtsvoller Erwartung." schrieb er in seinem Buch "Aus meinem Leben"
Am 12. August schrieb er einen BriefBrief an seinen ehemaligen Schüler der Kriegsakademie, General von Stein, der sich im "Großen Generalstab" befand, mit der Bitte an ihn zu denken, "... wenn noch im Laufe der Dinge irgendwo ein höherer Führer gebraucht wird!.... Ich schäme mich über die Straße zu gehen."
Am 22. August 1914 gegen 15:00 Uhr erhielt er endlich per Telegramm die lang erhoffte Anfrage, ob er bereit sei zur sofortigen Verwendung. Seine Antwort: "Bin bereit".

Generalmajor LudendorffLudendorff war bei der 2. Armee an der Westfront als Oberquartiermeister im Einsatz. MoltkeMoltke d.J. ließ ihn abholen und ins grosse Hauptquartier nach Koblenz bringen. Er kündigte ihm seine neue Aufgabe in einem Brief an. ....Sie werden vor eine neue Aufgabe gestellt, vielleicht noch schwerer als die Erstürmung Lüttichs. Ich weiß keinen anderen Mann, zu dem ich so unbedingtes Vertrauen hätte, wie zu Ihnen. .... Vielleicht retten Sie im Osten noch die Lage[2]Ludendorff "Meine Kriegserinnerungen" 1920 Am 22. August um 18:00 Uhr traf General Ludendorff in Koblenz ein.

Die OHL (Oberste Heeresleitung) hatte inzwischen durch unmittelbare Anfragen bei den vier Armeekorps (AK) Erkundigungen über die Lage in Ostpreußen eingezogen.
Beim XX.AK, unter General von Scholtz,Scholtz das der Narev-Armee im Süden unmittelbar gegenüberstand, war die Stimmung gut, wie schon am Abend zuvor. Und sein Chef des Stabes Oberst Hell, hielten es nach wie vor für möglich, aus der Verteidigungsstellung bei Gilgenburg eine Gelegenheit zum Angriff zu finden. "Allgemeine Lage wird günstig aufgefasst, Truppen brennen an den Feind zu kommen."
Das I. RK (Reservekorps), unter Generalleutnant Otto von BelowBelow, fühlte sich als Sieger "über überlegene Kräfte, jedenfalls sehr viel mehr Artillerie. Truppe großartig. Mindestens 1000 Gefangene. Stimmung gut." Das Korps war am 22. August auf dem Rückmarsch von Nordenburg auf Gerdauen. Der Feind folgte nicht.
Das XVII. AK befand sich weiter nördlich davon. Beim Kommandierenden General August von MackensenMackensen war die wenig zuversichtliche Stimmung vom 20. August abends gewichen. Außerhalb des feindlichen Feuers waren Ordnung und Vertrauen in der Truppe schnell zurückgekehrt. Das Korps habe zwar sehr starke Verluste gehabt, fühle sich aber nicht geschlagen. "Stimmung gut, aber durch Rückmarsch nicht gehoben" Der Feind stehe noch hinter der Rominte und schanze dort, erst am 22. August hätten kleine Kavallerieabteilungen den Fluß überschritten.
Das I.AK fühle sich als Sieger und sei trotz starker Verluste ungeschwächt. General Hermann von FrançoisFrancoise hatte den Eindruck, daß die vergangenen Kämpfe dem russischen III. und XX. Korps und der feindlichen Kavallerie stark zugesetzt hätten. Der Gegner dränge nicht nach. Gumbinnen sei noch nicht besetzt. Das Korps befinde sich auf der Bahnfahrt nach Graudenz.
Die Fahrziele wurden bei dieser Gelegenheit von Goßlershausen und Bischofswerder (30km östlich Graudenz) rund 50 km weiter nach Osten in die Gegend von Deutsch-Eylau und östlich davon verschoben.

Am Abend des 22. August besprach von Moltke mit Ludendorff die Lage. Die 8. Armee schien sich allmählich in zwei Gruppen zu gliedern. Eine Westgruppe und eine Ostgruppe
Man war sich darüber einig, dass unter den gegebenen Verhältnissen die Westgruppe einen Schlag gegen die russische Narew-Armee zu führen habe. Von den Weichselfestungen Graudenz und Thorn sollten Truppen und Artillerie zugeführt werden. Diese hatten am 23. August Goßlershausen und Strasburg zu erreichen.
Wie stark die Ostgruppe durch die Njemen-Armee Rennenkampfs gebunden war, ob man sie westlich der Masurischen Seen direkt nach Süden gegen den Ostflügel der Narew-Armee führen konnte oder ob es besser wäre, sie zur Schlacht in südwestlicher Richtung an die Westgruppe heranzuziehen, konnte man noch nicht übersehen. Ihr Rückmarsch nach Westen sollte jedoch zunächst angehalten werden. Die OHL gab den Korps und Festungen im Osten am 22. August abends die entsprechenden Befehle unmittelbar. Die Armeeführung unter Prittwitz wurde übergangen. Dem Armee-Oberkommando kündigte man für den 23. August das Eintreffen des neuen Oberbefehlshabers und seines Chefs des Stabes in Marienburg an.
Um 21:00 Uhr fuhr Ludendorff von Koblenz ab, 04:00 Uhr nachts bestieg der neue Oberbefehlshaber, General der Infanterie von Hindenburg, in Hannover den Sonderzug. Die beiden Generale kannten sich nicht. Nach kurzem Vortrag über die Lage legte man sich schlafen, um ausgeruht in Marienburg anzukommen.
Gegen 14:00 Uhr traf General von Hindenburg, mit General Ludendorff im alten Ordensschloss in MarienburgMarienburg ein. Der Stab meldete sich bei seinen neuen Vorgesetzten. Es fand sofort Vortrag über die Lage statt. Dabei stellte sich heraus, dass auch das bisherige Oberkommando einen Schlag gegen die Narew-Armee plante. Die Offiziere des Stabes konnten General von Prittwitz von dieser Möglichkeit doch noch überzeugen. Die OHL in Koblenz wusste davon jedoch nichts. Die Entscheidung über die Ablösung des Generals von Prittwitz und seines Chef des Stabes General von Waldersee war gefallen.
Die Ansichten des Generalmajors Grünert (Oberquartiermeister) und des Oberstleutnants Hoffmann (1. Stabsoffizier) stimmten mit denen der neuen Armeeführung weitgehend überein.