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Deutsche Verluste während der Schlacht bei Gumbinnen
_ gefallen vermisst verwundet gesamt
Offiziere 104 38 293 435
Unteroffiziere und Mannschaften 1.146 6.905 6.121 14.172
gesamt 1.250 6.943 6.414 14.607

60% der Verluste entfielen alleine auf das XVII. Armeekorps.
Die russischen Verluste waren nicht (mehr) feststellbar.

Gefallene

Die Schlacht bei Gumbinnen

20. August 1914
Im Vorfeld der Schlacht bei Tannenberg

Kommandowechsel

Am Abend des 20. August begannen die Planungen beim Oberkommando der 8. Armee sich vom Feind zu lösen, um Bewegungsfreiheit zu gewinnen. Wenn der Gegner richtig weiter handelte, was man zunächst annehmen musste, führte der Rückzug hinter die Weichsel. Diese Absicht wurde auch zunächst so bekanntgegeben. Beim Generalstab der Armee war man sich jedoch nicht so sicher, ob dies überhaupt möglich sein wird. Denn die 2. russische (Narew) Armee, die von Süden her anrückte, stand mit ihrem Westflügel wesentlich näher an der Weichsel als die deutsche 8. Armee. Vielleicht musste man sich die Bewegungsfreiheit erst noch erkämpfen. So wurde in den endgültigen Befehlen an die Truppen und in der Meldung an die Oberste Heeresleitung Westpreußen als Ziel des Rückzugs angegeben.
Im Planungsstab nahm die Absicht "die Armee in Westpreußen nach dem rechten Flügel zu vereinigen, um gegen den linken Flügel der Narew - Armee vorzugehen." immer mehr Gestalt an. Das I.AK sollte nach Goßlershausen, 30 km östlich Graudenz, die 3. Reserve-Division und 6. Landwehrbrigade nach Deutsch-Eylau gefahren werden. Die anderen Korps sollten den Marsch nach Westen fortsetzten.
Noch bevor diese Absichten dem Oberbefehlshaber vorgetragen wurden, war dieser von der Obersten Heeresleitung (OHL) persönlich an den Fernsprecher gerufen worden, wo er zunächst mit Generalleutnant von Stein, dann mit Generaloberst von Moltke selbst sprach. Er erwähnte in diesem Gespräch keinerlei Angriffsabsichten, schilderte die Lage vielmehr sehr düster, vielleicht um seinen gleichzeitig vorgebrachten Antrag auf Verstärkungen Nachdruck zu verleihen. Von Moltke sagte schließlich:"Wenn Sie zurückgehen müssen, so bleibt als Ihre weitere Aufgabe unbedingt das Halten der Weichsel - Linie bestehen." Aber auch das habe der Armeeführer nicht fest zusagen können: "Wie soll ich mit der Handvoll Truppen die Weichsel halten, sie kann ja überall durchwatet werden"
Diese Äußerung ließ bei der OHL den Eindruck entstehen, Prittwitz sei der Lage nicht mehr gewachsen. Der Eindruck wurde verstärkt, als auch in der Abendmeldung des Oberkommandos die von der OHL empfohlene Angriffsrichtung gegen den Ostflügel der Narew - Armee wiederholt ausdrücklich abgelehnt, von einer sonstigen Angriffsabsicht aber nichts erwähnt wurde. Schließlich wurde noch bekannt, dass das Oberkommando abends von Bartenstein nach Mühlhausen (östlich Elbing) abgefahren sei und einen Tag später nach Dirschau weiter wolle. Die Etappeninspektion sollte von dort nach Konitz zurück verlegt werden.
Nach alldem hatte man in der OHL keinen Zweifel darüber, dass von Prittwitz seine Armee hinter die Weichsel zurückführen wolle, ohne einen Angriffsversuch zu unternehmen. Um sich Klarheit über die Lage zu verschaffen, ließ von Moltke direkt beim XX.AK anfragen. Dieses Korps musste über den Vormarsch der Narew-Armee am besten informiert sein.
Das Korps meldete am 21. August abends sehr zuversichtlich, es erwarte den russischen Angriff in einer Stellung beiderseits Gilgenburg erst in 2 bis 3 Tagen. Es schätze den Gegner nur auf 2 bis 2½ Korps, also schwächer als allgemein angenommen.

Für den Chef des Generalstabes des Feldheeres Generaloberst von Moltke war es trotzdem kein leichter Entschluss, dem Kaiser als obersten Kriegsherrn die Neubesetzung des Oberkommandos im Osten vorzuschlagen. Es war der erste derartige Fall.

Die Auswahl geeigneter Männer für diese selbständige Stellung und die ungewöhnlich schwierige Lage im Osten war nicht einfach. Von Moltke schlug als Oberbefehlshaber General der Infanterie Paul von Beneckendorff und von Hindenburg vor, der sich seit 1911 im Ruhestand befand. Als Chef des Generalstabes war Generalmajor Ludendorff vorgesehen. Am 22. August mittags vollzog der Kaiser ihre Ernennung.
Der Stab der 8. Armee erfuhr dies zunächst von anderer Stelle. Als nämlich der 1.Generalstabsoffizier, Oberstleutnant Hofmann, am Nachmittag telefonisch mit der Bahninspektion die notwendigen Transporte für den nächsten Tag abstimmen wollte, lagen dort schon andere, direkt von der Obersten Heeresleitung (OHL) gegebene Anweisungen vor. Der Gesprächspartner bei der Bahninspektion verweigerte nähere Auskünfte zu diesem Vorgang. "Wenn sie darüber nicht Bescheid wissen, bin ich wohl nicht befugt, ihnen dazu etwas zu sagen" Erst am Abend wurde die Armeeführung von der OHL darüber informiert, dass General von Prittwitz und General Waldersee von ihren Aufgaben entbunden sind.
Dort hatte sich die Hoffnung auf eine günstigere Entwicklung der Lage inzwischen weiter gefestigt. Am 21. August abends war noch die Meldung eingegangen, dass sich die 1.Kavallerie-Division wieder eingefunden habe. Sie hatte der Rückzugsbefehl am Abend der Gumbinner Schlacht nicht erreicht. Als sie am nächsten Tag wieder Anschluss an die eigene Truppe suchte, hatte sie aber den Weg nach Westen noch frei gefunden und brachte sogar 800 Gefangene mit.

Am 22. August trat der Gegner im Süden wie im Nordosten erst spät an und drängte nirgends nach. Der Westflügel der Narew-Armee reichte über Mlawa nicht hinaus. So kam bei der deutschen Armeeführung der Gedanke immer mehr auf, die Armee nach dem rechten Flügel zu versammeln (Richtung Südwest), um etwa aus der Linie Thorn - Allenstein einen Offensivstoß durchzuführen. Daneben wurde jetzt auch der Vorschlag der OHL, den Ostflügel der Narew-Armee anzupacken, in Erwägung gezogen. Vielleicht konnte man die Narew-Armee auch beiderseits umfassen!! Dieser Gedanke lag sozusagen in der Luft. Er ist damals nicht nur beim Armee-Oberkommando und der OHL erörtert worden, sondern hat, ganz unabhängig davon, auch beim XX. Armeekorps für Diskussionen gesorgt. So hat auch von Prittwitz in einem in der Nacht vom 21./22. August abgesetzten Bericht an die OHL die Absicht ausgesprochen, "falls der Feind General von Scholz (XX.AK) zurück drängt, unter Umständen" auch mit dem I.Reservekorps und dem XVII.Armeekorps von Nordosten her gegen ihn "flankierend einzugreifen".

Die militärische Lage, aus der sich bald darauf die Tannenbergschlacht entwickelte, zeichnete sich mehr und mehr ab.
Generaloberst von Prittwitz und sein Generalstabschef Generalmajor von Waldersee sollten nicht mehr berufen sein, diese Absichten in die Tat umzusetzen. Ihre Ablösung war bereits beschlossen.