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Tannenberg

Die Schlacht bei Tannenberg

26. - 30. August 1914
(Tannenberg, ein kleiner Ort in der ehemaligen Provinz Ostpreußen, heute Stebark in der Woiwodschaft Warmia i Mazury (Ermland und Masuren, Polen)

Nicht jede Schlacht ist ein Markstein im Kriege und hat Einfluss auf die Geschichte. Die Schlacht bei Tannenberg hat jedoch den weiteren Verlauf des Ersten Weltkrieges wesentlich beeinflusst.
Auf den ersten Blick hat die Nachwirkung der Schlacht nur regionale Bedeutung: Für Ostpreußen war zwar zunächst das Schlimmste abgewehrt, von den 10 russischen Armeen war jedoch nur eine neutralisiert (75% Verlust) bzw. auf längere Zeit nicht mehr einsatzfähig. Die ungeheure zahlenmäßige Überlegenheit der Russen bestand aber weiterhin.
Erst bei genauerem Hinsehen wird deutlich, dass die Pläne der Alliierten hinfällig geworden waren.

Aus russischer Sicht gab es für die deutsche 8. Armee nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie stellt sich zur Schlacht, dann wird sie von den beiden russischen Armeen in die Zange genommen und vernichtet, oder sie weicht aus und geht hinter die Weichsel zurück. Diese zweite Möglichkeit entsprach der militärischen Logik. Dem entsprechend wurde auch geplant, denn die deutsche Führung konnte sich eigentlich nicht erlauben die einzige Armee im Osten zu gefährden.
Sie war auch in den Analysen der Schlieff´chen Planungen für diesen Notfall vorgesehen. Die deutsche 8. Armee hinter der Weichsel bedeutet, man hat auf russischer Seite ohne Störung Zeit beide Armeen (1. und 2.) zusammen mit der bei Warschau sich sammelnde 9. und eventuell noch die 10. (kam auf die Österreicher an) an der Weichsel den Deutschen gegenüber zu stellen. Die Russen hätten dann alle Zeit der Welt gehabt etwas zu unternehmen, ihre bloße Anwesenheit wäre Bedrohung genug gewesen.
Als Folge rechnete man damit, dass die deutsche Führung mindestens 6 Armeekorps aus der Westfront abziehen müssen. Frankreich könnte nun in die Offensive gehen. Damit ist Deutschland an beiden Fronten in der Defensive und muss letztendlich um Frieden bitten. So ungefähr war der grobe Plan. Nach diesem russisch-französischen Plan wäre der Krieg wahrscheinlich viel kürzer gewesen und vielleicht hätte es dann in Russland keine Revolution gegeben, usw., usw.... Aus dieser Perspektive betrachtet hat die Schlacht bei Tannenberg dann auch die Geschichte beeinflusst.
Für Militärhistoriker ist sie bemerkenswert und interessant. Vergleichbar mit der Schlacht von Cannae, wo Hannibal mit zahlenmäßig unterlegenen Truppen ein römisches Heer durch Umfassung mit einem verstärkten Flügel schlug, gelang es General von Hindenburg durch beidseitige Umfassung mit zahlenmäßig unterlegenen Truppen die 2. russische Armee unter General Samsonow vernichtend zu schlagen.

Die russische Führung hielt die deutsche 8. Armee seit ihrem Abbruch der Schlacht bei Gumbinnen (20. August) und der Räumung der Angerapp-Stellung für geschlagen und richtete ihre Blicke, mehr als es der Lage entsprach, auf zukünftige Operationen gegen die deutsche Weichsellinie. Weder der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch als Oberster Befehlshaber noch General Shilinski als Oberbefehlshaber der Nordwestfront hat an eine neue große Entscheidungsschlacht östlich der Weichsel geglaubt. Sie unterschätzten den Gegner, fühlten sich sicher im Vertrauen auf die große Anzahl ihrer Truppen und zersplitterten ihre Kräfte für Nebenaufgaben. So stand General Samsonow bei Tannenberg allein und wurde geschlagen. Alle weiteren Planungen waren hinfällig geworden.

Die deutsche Führung hatte erkannt, dass die zahlenmäßige Überlegenheit der russischen Streitkräfte nicht zur Wirkung kommen durfte, solange der Krieg im Westen nicht entschieden war. Dazu bot sich jetzt am Anfang der Operationen noch die Gelegenheit. Die beiden gegen Ostpreußen eingesetzten russischen Armeen konnten wegen geographischer Gegebenheiten (Masurische Seen) nur getrennt aufmarschieren. Nur jetzt konnte man die beiden Armeen noch einzeln angehen. Bei Gumbinnen wurde der Angriff vielleicht doch zu voreilig abgebrochen. Es musste also eine andere Möglichkeit gefunden werden, die noch günstige Lage zu nutzen....; und die Russen boten sie.

Man konnte zur Entscheidung gar nicht stark genug sein und schwächte sich daher an allen anderen Stellen bis zum äußersten. So waren, außer den Festungen Königsberg und Lötzen, eine einzige Kavallerie-Division und einige Landsturm-Bataillone alles, was gegen die ganze russische Njemen-Armee stehen blieb. Alle anderen Kräfte mussten gegen die Narev-Armee heran. Nur dadurch, dass Hindenburg ein solches Wagnis einging, gelang es, in der Schlacht selbst mit wenigstens annähernd gleicher Gesamtstärke aufzutreten. Der deutschen Armeeführung gelang es durch geschicktes Taktieren, immer an den entscheidenden Brennpunkten der Schlacht im Vorteil zu sein und sich oft sogar die zahlenmäßige Überlegenheit zu sichern.
Nach Leipzig (1813), Metz und Sedan (1870) steht Tannenberg für die größte Einkreisungsschlacht, die man bis dahin kannte. Sie wurde gegen einen an Zahl überlegenen Gegner geschlagen, während gleichzeitig beide Flanken von weiterer Übermacht bedroht waren.
Es gab in der Militärgeschichte bis dahin kein Beispiel ähnlicher Leistung und Kühnheit.